Krieg in der Ukraine: Selber schuld?

Wolf Paul, 2022-02-25

Nach dem Beginn der russischen Invasion der Ukraine vor zwei Tagen haben viele verschiedene Organisationen und Einzelpersonen auf sozialen Medien Gebetsaufrufe und andere Stellungnahmen zu dieser russischen Aggression und Völkerrechtsverletzung gepostet, und darunter gibt es immer wieder Kommentare mit dem Grundtenor, die Ukraine wäre selbst an dieser Situation schuld, weil sie mit einem EU- bzw. Nato-Beitritt liebäugelt. Hier ist ein Beispiel, ein Kommentar unter einem Gebetsaufruf auf Facebook von Dr. Johannes Hartl vom Gebetshaus Augsburg:

Von den 42 Reaktionen, die dieser Kommentar bekommen hat, sind 33 “Likes”, der Rest teilt sich ziemlich gleich auf lachende, weinende, und zornige Emojis auf.

Die meisten Antworten auf diesen Kommentar stimmen ihm zum Glück nicht zu, mit Aussagen wie, 

“Ich denke nicht, dass die Selbstbestimmung der Ukrainer einer Zustimmung des Herrn Putin bedarf … “

Sowie dieser hier,

“Die Nato ist eine Nebelgranate der Russen. Putin geht es um ein geeintes, heiliges Russland. Die heilige russische Dreieinigkeit: Russland, Belarus und Ukraine.”

Die EU- und Natomitgliedschaft der Ukraine ist tatsächlich eine russische Nebelgranate, aber zum Glück hat Putin selbst dafür gesorgt, daß sich der Nebel sehr schnell verzogen hat und seine wahre Motivation offenbar wurde.

Wenn man die Rede von Putin vor der Duma vor ein paar Tagen gehört hat, sowie die spätere Rede, wo es um die Anerkennung der separatistischen “Volksrepubliken” im Osten der Ukraine ging, wird eines ganz klar:

In Vladimir Putins Augen ist die Ukraine russisches Territorium, das nach der Oktoberrevolution, bei der Gründung der Sowjetunion, von Lenin zu einer eigenen Sowjetrepublik gemacht wurde, was ein Fehler war. Leider wurde dieser Fehler von den folgenden Führern der Sowjetunion (Stalin, usw.) nicht korrigiert, sodaß die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erklären konnte. Aber für Putin ist die Ukraine kein Staat, und diejenigen, die derzeit dort das sagen haben, keine Regierung; vielmehr ist die Ukraine ein bloßes “Territorium”  mit einem “Regime”; als solches hat sie keine Souveränität, und Putin ist angetreten, Lenins Fehler zu korrigieren und dieses russische Territorium namens Ukraine “heim ins Reich” zu holen.

Ich wähle den Ausdruck “heim ins Reich” ganz bewußt, weil diese Argumentation genau der entspricht, mit der Adolf Hitler die Besetzung und den Anschluß Österreichs an Deutschland, sowie die Besatzung deutscher Siedlungsgebiete in Polen und der Tschechoslowakei gerechtfertigt hat.

Damit wird auch klar, warum Putin eine Annäherung und mögliche Mitgliedschaft bei EU und Nato nicht tolerieren will:

Nicht, weil dies tats¨ächlich eine militärische Bedrohung für Rußland darstellen würde, sondern weil eine solche Entwicklung die Unabhängigkeit der Ukraine so zementieren würde, daß er keine Chance mehr hätte, sie “heim ins Reich” zu holen. Deshalb, und nur deshalb, wütet jetzt ein Krieg im Osten Europas.

Die am schnellsten wachsende Weltreligion

Wolf Paul, 2022-02-24

Umfragen in USA legen nahe, daß 84% der Amerikaner der Aussage zu­stimmen, “Das wichtigste Ziel des Menschen ist, das Leben zu genießen.” Und weiter, um das Leben zu genießen, so meinen 86%, muß man “den Dingen nachjagen, die man sich am sehnlichsten wünscht.” Diese Umfrage-Ergebnisse stammen zwar aus den USA, aber ich habe nicht den Eindruck, daß die Gesellschaft hier bei uns in Europa wesentlich anders tickt, und ich glaube auch nur wenige Christen können sagen, daß sie noch nie der Versuchung erlegen sind, ähnlich zu denken. Ich sicher nicht.

In einem Beitrags auf der Website der Gospel Coalition, “Self-Worship is the World’s Fastest-Growing Religion”, schreibt Thaddeus Williams unter anderem:

Damit hat unsere heutige Gesellschaft die Antwort des Katechismus von Westminster umgedreht, so daß sie lautet, “Das höchste Ziel des Menschen ist, sich selbst zu verherrlichen und das Leben für immer genießen.” Man könnte sogar argumentieren, daß Selbstverehrung die am schnellsten wachsende Religion der Welt ist. Sie ist sicherlich die älteste, wie die Lektüre von Genesis 3 klarmacht. Und diese Religion liegt auch den meisten heißen Themen unserer Zeit, in Politik und Gesellschaft, zu Grunde.

Sechs Gebote

Dies sind die heiligen Gebote dieser uralten und immer noch mo­dernen Weltreligion:

  • Dein Verstand ist die Quelle und der Maßstab der Wahrheit, des­halb vertraue dir selbst, egal was kommt. #dieantwortistindir
  • Deine Gefühle sind maßgeblich, also stelle sie nie in Frage und laß auch nicht zu, daß sie von Anderen in Frage gestellt weren. #folgedeinemherz
  • Du bist souverän, also spiele deine Allmacht aus und biege dir die Welt nach deinen Träumen und Wünschen zurecht. #lebedeinewahrheit
  • Du bist der/die Allerhöchste, also handle immer nach deinem höchsten Ziel, dich selbst zu verherrlichen und das Leben für immer zu genießen. #yolo
  • Du bist das “summum bonum” – der Maßstab alles Guten – also laß dich von niemand unterdrücken mit der altmodischen Vorstellung, ein Sünder zu sein, der Gnade braucht. #bleibwiedubist
  • Du bist dein eigener Schöpfer, also nutze diese unbegrenzte kreative Kraft, um deine Identität und Ziel zu formen. #authentischleben

Weil mir die Zeit fehlt, mich um Übersetzungsrechte zu bemühen, ist der ganze Artikel nur auf Englisch verfügbar: “Self-Worship is the World’s Fastest-Growing Religion”

Nochmals die Evangelikalen in Ö1

Wolf Paul, 2022-02-20

Gestern habe ich mir die bereits angekündigte Sendung “Ekstatisch und asketisch” – Warum evangelikale Bewegungen so erfolgreich sind[1] in der Ö1-Sendereihe Logos – Glauben und Zweifeln angehört. Für die Sendung zeichnet, so wie schon für die Radiokolleg-Reihe über Evangelikale im November 2021, Günter Kaindlstorfer verantwortlich. Untenstehend ein paar meiner Eindrücke; auf der Website der Freikirchen in  Österreich gibt es einen Kommentar von Franz Graf-Stuhlhofer.

Die Sendung enthielt etwas weniger unrichtige und ungenaue Aussagen über die Evangelikalen als die Sendereihe im November, auch wenn immer noch Gruppen als zu den Evangelikalen gehörig erwähnt wurden, die sich selbst nicht dazuzählen, wie die Adventisten und die Gemeinden Christi[2],  und die Puritaner, Quäker, Pietisten und Methodisten gehören nicht zu den radikalen Gruppen der Reformation, sie sind wesentlich später entstanden und gehören eher zu den von Kaindlstorfer ebenfalls erwähnten Erneuerungs- und Erweckungsbewegungen.

Ich frage mich, ob Herr Kaindlstorfer und der ORF ähnlich negativ voreingenommene Sendungen über andere anerkannte Glaubensgemeinschaften wie die Katholische Kirche, die Evangelische Kirche, die Methodistenkirche, die Ostkirchen, und eine ganzen Reihe anderer, nicht-christlicher Gruppen, produzieren würden, wie nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen über die Evangelikalen, die unter dem Namen “Freikirchen in Österreich (FKÖ)” ebenfalls eine anerkannte Glaubensgemeinschaft sind – wobei die FKÖ repräsentativer für die evangelikale Bewegung im deutschen Sprachraum ist, als so manche von Kaindlstorfer zitierte Gruppe vom extremen Rand.

Was den Titel der Sendung angeht: weder Askese noch Ekstase wurden in der Sendung selbst thematisiert; Askese kam gar nicht vor, und ekstatisch waren (höchstens) ein paar der Musikeinspielungen (wobei man sagen muß, daß das mehrfach gespielte Lied “Every praise is to our God” unter deutschsprachigen Evangelikalen niemand gekannt hat, bevor Hezekiah Walker’s Youtube-Video vor 8 Jahren viral geworden ist. Das Foto oben auf dieser Seite ist aus diesem Video).

Apropos Methodistenkirche: deren österreichische Vertreter waren ja im November etwas verschnupft über ihre Einordnung als evangelikal, und sowohl die Ankündigung der Sendung als auch die Sendung selbst klingen nach einer Abbitte an die Methodisten für diesen Faux Pas – das geht so weit, daß in der Sendung fast mehr über die Methodisten und das nicht-evangelikale Selbstverständnis ihrer österreichischen Vertreter gesprochen wurde, als über die Evangelikalen selbst; mit den zwei Vertretern der Methodisten sowie drei “Expertinnen” (Ulrike Schiesser, Anne Koch[3] und Susanne Heine) kamen in der Sendung mehr nicht-evangelikale Vertreter zu Wort als Evangelikale (Frank Hinkelmann und Walter Klimt sowie ein kurzer Soundbite von Billy Graham). Ein oder zwei Soundbites von einem anonymen Prediger mit ausländischem Akzent sind eher bizarr.

Was mich noch gewundert hat: Warum hat Walter Klimt nicht darauf hingewiesen, daß so manches, was an evangelikaler Lehre kritisiert wurde (z.B. die Ablehnung der Allversöhnung), auch Teil der Lehre der Volkskirchen ist? Dort wird manches davon, im Gegensatz zur evangelikalen Praxis, jeden Sonntag im Gottesdienst rezitiert; im Gegensatz zu vielen in den Volkskirchen glauben Evangelikale eben tatsächlich das, was in der Bibel und ihren Bekenntnisschriften steht. Um Walter Klimt nicht unrecht zu tun: es ist natürlich gut möglich, daß er das ohnehin erwähnt hat, und es vom ORF-Redakteur rausgeschnitten wurde, weil es nicht in das Bild paßt, das er vermitteln wollte.

In einer Sache muß ich Walter Klimt allerdings widersprechen: Mir dreht es genauso wie Walter den Magen um, wenn ich die evangelikale Unterstützung für Trump sehe; im Gegensatz zu Walter glaube ich leider nicht, daß es in den USA “viel mehr Baptisten gibt, die nicht Trump unterstützen” – bzw. falls es die tatsächlich gibt, dann kuschen sie mit eingezogenem Schwanz. Das trifft zumindest auf die evangelikalen, von Weißen dominierten Baptistenbünde wie Southern Baptists oder Conservative Baptists zu; in afro-amerikanisch dominierten Gemeinden sieht das anders aus, ebenso in den auch existierenden nicht-evangelikalen Bünden. 

__________
  1. Ich gebe hier keinen Link an, da dieser nur mehr sechs Tage lang gültig wäre, länger sind Ö1 Programme nicht nachzuhören[]
  2. Die Gemeinden Christi werden in der Sendung komischerweise als Churches of Christ erwähnt, obwohl sie bereits seit kurz nach dem 2. Weltkrieg unter dem deutschen Namen “Gemeinde Christi” im deutschen Sprachraum präsent sind.[]
  3. Ihre angegebene Webseite annekoch.academia.edu, existiert nicht. Sie hat eine Forschungsprofessur an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz inne.[]

Windows Support?

Wolf Paul, 2022-02-10

Twice this morning I got a phone call from an unknown number, once from Germany, and once from an Austrian mobile number, both claiming to be from “Windows Support”. I hung up on the first call and blocked the number, and on the second call I decided to have some fun. So here is a re-constructed transcript of my conversation.

I should probably confess that I was sitting in front of my Windows 11 computer the whole time, with a couple terminal windows open on a few Linux servers; but then, I don’t think I owe scammers facts and honesty.

Hello?

Hello sir, my name is Stephen, I am from Windows Support. How are you  this morning?

I am fine, how can I help you?

We are receiving error signals from your computer in our technical server, for many days, there is a virus in your computer and your computer is unsecured.

Hm, that’s strange. Why would my computer send error signals to your server?

Because your computer is registered with our server in Austria, the license ID. I will prove it to you. Write it down and tell me when you are ready.

OK, I’m ready.

OK, 00

OK

c04f

OK

b7b062

Ah, can you repeat that?

00c04fb7b062

OK, got it

Now go to your keyboard, in the bottom left corner, do you see a STRG button?

No

Do you see a CTRL button?

Yes, I see that.

What do you see next to it?

A Windows button …

Correct, a Windows button. Now press that Windows button with one finger, and keep your finger on it.

OK

Now with another finger press R, as in Red

OK

What do you see?

Nothing.

What do you mean, Nothing?

Well, nothing changes.

What did you do?

I am holding the Windows button and pressing the R button, and nothing happens.

(He runs me through this a couple more times, without success, then:)

I am going to transfer you to my senior technician, he will help you get this done.

OK

(New voice)

Hello sir, this is David. How are you?

I am fine

OK. On your keyboard, hold down the Windows button, next to the CTRL button on the bottom left, and then press the letter R, as in Red.

OK, I am doing that.

What do you see?

My normal desktop.

No, what happens?

Nothing.

OK, open Google.

Huh?

Open Google Chrome.

I don’t have Google Chrome.

Eh, can you open Microsoft Edge?

Yes, I can do that.

OK. Now open Google

OK

Now type “S” as in signal, “U” as in umbrella, “P” as in papa, “R” as in Red, “E” as in edge, “M” as in mother, “O” as in orange. What do you see?

I see the word supremo

OK press ENTER, What do you see?

I see “Supremo the best remote desktop”

OK, what else do you see?

I see a download button.

OK, klick on the Download button. What do you see?

It’s downloading a file.

It’s downloading a file?

Actually it is done. It downloaded a file called supremo.exe.

OK, click on it.

It says “Don’t know how to open this file.”

No, click on it.

I did. It says “Don’t know how to open this file”

I should probably tell you that I am not using a Windows computer, I am using a Linux computer.

Go f*ck yourself!

(Hangs up)

A few minutes later, another call from the same number.

Hello …

Hello sir, why did you hang up?

(Ah, the first voice is back …)

*I* didn’t hang up, your colleague hung up on me after saying “Go f*ck yourself” …

Oh, I am very sorry to hear that. That technician, he is a bit crazy. I am apologizing for him.

Well, I should probably tell you what I told him: I am not using a Windows computer, I am using a Linux computer.

A Linux Computer? Ah …

(hangs up)

At least he did not repeat his colleagues instruction to me …

“Complete” Creedal Formulae?

Wolf Paul, 2022-02-05

Yesterday, First Things magazine published a “Web Exclusive” by Theopolis Institute president, Peter Leithart, entitled Theology Is Not Archeology, He describes today’s impressive and edifying attempts by theologians to recover, explain, and defend traditional creedal and theological formulae, doing away with arrogant caricatures of pre-modern theology and revealing its impressive subtlety.

It is great article, with one caveat.

Quoting from the article:

Having retrieved with all possible care, theologians must reflect on what they have retrieved, and be willing to criticize and refine hallowed creedal and confessional formulae if they are … incomplete …

Retrieval is a theological good, but there must be life beyond retrieval.

Now I am not for one minute suggesting that Peter Leithart intended this, but the suggestion that creedal formulae must be complete implies that theology is valid only insofar as it penetrates every mystery, or to the extent that nothing remains hidden from it so  it can come up with complete formulations of truth. It ignores the fact that while God is infinite we are but finite, which in turn implies that anything we say or think about God will not completely do justice to His reality.

Of course theology must be more than archeology, of course there must be theological life beyond retrieval, but that life can and must include the recognition that we can only know about God what He has revealed to us, and that while we live this side of eternity, this revelation, and thus our theological formulae, have gaps; that whatever we have learned about and experienced of God, we need to hold in an open hand, knowing that it is likely incomplete.

As St. Paul says, “For now we see only a reflection as in a mirror, but then face to face. Now I know in part, but then I will know fully, as I am fully known.” (1 Cor 13:12 CSB)

 

Zensur?

Wolf Paul, 2022-02-04

Es kommt immer wieder vor, daß Anschuldigungen von “Zensur” erhoben werden, vor Kurzem bezüglich eines Videoclips einer Predigt von Pastor John McArthur über “biblische Sexualtiät”, und ganz aktuell, weil etliche prominente Musiker ihre Musik von Spotify entfernt haben, weil Spotify auch dem kontroversen Podcaster Joe Rogan eine Plattform bietet.

Aber was ist Zensur überhaupt?

Hier sind die ersten Abs¨atze des Eintrags “Censorship” in der englischen Wikipedia, von mir übersetzt, weil ich sie hilfreicher finde als den parallelen Eintrag in der deutschen Wikipedia:

Zensur ist die Unterdrückung von Rede, öffentlicher Kommunikation, oder anderer Information. Dies kann geschehen, weil das zensierte Material anstößig, gefährlich, vertraulich, oder einfach “unbequem” ist. Zensur kann durch Regierungen, private Einrichtungen, sowie andere Institutionen erfolgen.

Regierungen und private Einrichtungen können selbst Zensur ausüben; andere Gruppen oder Einrichtungen können Zensur beantragen oder vorschlagen. Wenn eine Person, wie ein Autor oder anderer Schöpfer von Inhalten, ihre eigenen Werke zensiert, spricht man von Selbstzensur. Allgemeine Zensur gibt es in einer Vielzahl unterschiedlicher Medien, wie Rede, Bücher, Filme und andere Kunstwerke, die Presse, Radio, Fernsehen und das Internet, mit einer vielzahl von angegebenen Begründungen wie der nationalen Sicherheit, der Verhinderung von Obszönitäten, Kinderpornografie, und Haßrede, um Kinder und andere verletzbare Gruppen zu beschützen, um politische oder religiöse Ansichten zu verbreiten oder einzuschränken, sowie zur Vermeidung von übler Nachrede und Ehrenbeleidigung.

Direkte Zensur kann legal sein oder auch nicht, abhängig von Art, Ort, und Inhalt. Viele Länder verbieten Zensur per Gesetz, aber keines dieser Verbote ist absolut, und oft ist die Rede von der Notwendigkeit, miteinander im Widerspruch stehende Rechte abzuwägen, um Zensur zu erlauben oder zu untersagen. Selbstzensur unterliegt keinen Gesetzen.

Das ist ein guter Ausgangspunkt, weil er unterstreicht, daß Zensur nicht immer illegal oder negativ ist. Im Allgemeinen gibt es in unseren “westlichen” liberalen Demokratien “westlichen” verfassungsrechtliche Garantien von Rede- und Meinungsfreiheit, welche stark einschränken, wie, wo, und wann die Organe der Regierung und öffentlichen Verwaltung Zensur ausüben dürfen, aber Privatpersonen und private Einrichtungen haben mehr Rechte, unerwünschte Rede und Meinungsäußerung zu unterdrücken. So kann eine Behörde zumeist nicht verbieten, daß jemand ein Plakat mit der Aussage, “Es gibt keinen Gott”, aufstellt, ist der private Besitzer einer Plakatwand nicht verpflichtet, dieses Plakat an seiner Wand anzubringen; die Behörde kann einem Atheisten nicht verbieten, Menschen anzusprechen und ihnen seinen Atheismus schmackhaft zu machen, aber Du mußt diesen Atheisten nicht in Dein Haus lassen und ihm erlauben, dort zu Deiner Familie und Deinen Gästen zu reden. Genausowenig muß eine Kirchengemeinde diesen Atheisten auf ihre Kanzel lassen, ebensowenig wie sie irgendjemanden anderen auf die Kanzel lassen muß, der ihren Lehren widerspricht.

Wenn YouTube also Videomaterial von seiner Seite entfernt, wie diesen Videoclip, wo John McArthur verkündet, “Transgender gibt es nicht. Man ist entweder XX oder XY. Das ist alles.”, dann stellt sich die Frage, inwieweit ist YouTube öffentlicher Raum? Das gleiche gilt für Facebook, Twitter, Instagram, usw. Das sind schließliche Privatfirmen, und sind ihre Plattformen nicht öffentlicher, sondern privater Raum. Schließlich muß jeder, der auf ihnen Inhalte zur Verfügung stellen will, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimmen, die auch inhaltliche Richtlinien beinhalten. Wenn diese Richtlinien “Haßrede” verbieten, und die Definition von Haßrede der Plattformbetreiber das Leugnen der Realität von Transgender, oder das Leugnen der Legitimität verschiedener sexueller Orientierungen, oder das Leugnen der Legitimität der gleichgeschlechtlichen Ehe umfaßt, dann bewegen sie sich klar im gesetzlichen Rahmen, wenn sie solche Inhalte löschen. Das ist auch deshalb nicht wirklich Zensur, weil sie ja niemandem verbieten, seine Meinung zu sagen, sondern sich lediglich weigern, ihren privaten Raum für die Verbreitung dieser Meinung zur Verfügung zu stellen. Es ist genau das gleiche, wie wenn eine Kirchengemeinde es nicht zuläßt, daß von ihrer Kanzel aus Buddhismus oder Islam gepredigt wird.

Kommen wir zu den Musikern, die ihre Musik von Spotify entfernt haben, weil sie mit den Meinungsäußerungen von Joe Rogan und seinen Gästen in seinem Podcast auf Spotify nicht einverstanden sind. Diejenigen, welche diese Musiker der Zensur beschuldigen, tun dies, weil die Musiker Spotify bewegen wollte, Joe Rogans Podcast von der Platform zu werfen. Kann schon sein, daß sie das wollten, aber sie hatten sicherlich keine realistische Erwartung, daß sich Spotify für sie statt für Joe Rogan entscheiden würde (alle finanziellen Überlegungen sprechen dagegen), und außerdem gibt es etliche legitime Gründe, warum diese Musiker die Spotify-Plattform verlassen wollen:

  1. Spotify hat als Musik-Streaming-Dienst begonnen, und hat diese Musiker als solcher unter Vertrag genommen. Jetzt verändert sich die Firma, wegen des höheren erwarteten Profits, in eine Podcast-Plattform, wo der erwartete Profit umso höher ist, umso kontroverser die präsentierten Meinungen sind. Die Musiker haben einen Vertrag mit einem Musik-Streaming-Dienst unterzeichnet; sind sie wirklich verpflichtet, auf einer Podcast-Plattform mit kontroversen Inhalten zu bleiben?
  2. Der Unterschied zwischen dem, was Spotify Musikern zahlt (Groschenbeträge) und dem, was sie bereit sind, für Podcaster wie Joe Rogan oder die ehemaligen britischen Royals Harry und Meghan zu bezahlen (Millionensummen) ist gewaltig. Ich verurteile Spotify nicht dafür, aber genausowenig sollten wir die Musiker verurteilen, die da nicht mitmachen wollen und daher ihre Musik entfernen – beide üben ihre Rechte aus.
  3. Die Musiker haben auch gesagt, daß sie nichts mit einer Plattform zu tun haben wollen, wo Joe Rogan und die Gäste, die er einlädt, mit ihren Ansichten toleriert werden. Das ist letztlich eine Gewissensfrage, und es gibt eine Parallele mit der Frage der Covid-19 Impfstoffe. Manche Leute lassen sich nicht gegen Covid-19 impfen, weil in der Entwicklung oder Herstellung Stammzellen möglicherweise Stammzellen verwendet wurden, die von einem abgetriebenen Baby stammen. Andere Menschen stört das nicht, oder sie akzeptieren die Entscheidung des Vatikan, daß diee Abtreibung so lange her ist, daß man sich mit der Impfung nicht mitschuldig macht. Wir sind gut beraten, sowohl was die Impfung anlangt und auch was Spotify anlangt, die Gewissensentscheidung der Menschen zu respektieren, gerade dort, wo unser eigenes Gewissen uns anders führt.
  4. Und schließlich hängt Zensur davon ab, daß derjenige, der der Zensur Beschuldigte eine Verpflichtung hat gegenüber dem, den er angeblich zensuriert, seine Rede oder Meinungsäußerung zu erlauben, zu finanzieren, oder zu erleichtern. Es ist vielleicht schon so, daß Neil Young und seine Kollegen eine Verpflichtung haben, die freie Meinungsäußerung von Joe Rogan und seinen Gästen nicht aktiv zu behindern; sie haben aber sicherlich keine Verpflichtung, sie zu erleichtern oder zu unterstützen, indem sie weiterhin mit Spotify Geschäfte machen. Und mit der öffentlichen Ankündigung, warum sie Spotify verlassen, nehmen sie schließlich ihre eigenes Recht auf Redefreiheit wahr.

Wir müssen einfach damit leben, daß Google, YouTube, Facebook, Spotify, usw. private, weltliche Firmen sind, deren Management von Leuten dominiert wird, welche das Christentum (und auch die meisten anderen Religionen) skeptisch bis negativ sehen, und die primär von Geld- und Profitdenken motiviert sind. Sie tolerieren christliche Inhalte auf ihren Plattformen, solange diese ihren eigenen Ansichten, oder denen ihrer wichtigen Klienten, nicht allzu sehr zuwiderlaufen, und sie dadurch genug Geld verdienen könnnen. Das gleiche gilt für Joe Rogan und andere kontroverse Podcasts: was sie motiviert, ist das Geld, das sie damit zu verdienen hoffen. Aber sie garantieren auf ihren Plattformen keine Rede- und Meinungsfreiheit, und unsere Rechtssystem verlangen das auch nicht von ihnen. Wenn man dann noch in Betracht zieht, daß die meisten von uns, sowohl Inhalte-Anbieter als auch Konsumenten, die Dienste dieser Firmen ohne entgeltliche Verträge nutzen, dann ist die einfache Realität, daß sie uns gegenüber keinerlei Verpflichtungen haben.

Censorship?

Wolf Paul,

Every now and then, accusations of censorship are tossed around, recently with regard to a video clip from a John McArthur sermon on “biblical sexuality”, and currently with regard to several prominent artists removing their material from Spotify over the presence of the “Joe Rogan Experience” podcast on the streaming service.

But what is censorship? Here is the introductory paragraphs from the Wikipedia entry:

Censorship is the suppression of speech, public communication, or other information. This may be done on the basis that such material is considered objectionable, harmful, sensitive, or “inconvenient”. Censorship can be conducted by governments, private institutions and other controlling bodies.

Governments and private organizations may engage in censorship. Other groups or institutions may propose and petition for censorship. When an individual such as an author or other creator engages in censorship of his or her own works or speech, it is referred to as self-censorship. General censorship occurs in a variety of different media, including speech, books, music, films, and other arts, the press, radio, television, and the Internet for a variety of claimed reasons including national security, to control obscenity, child pornography, and hate speech, to protect children or other vulnerable groups, to promote or restrict political or religious views, and to prevent slander and libel.

Direct censorship may or may not be legal, depending on the type, location, and content. Many countries provide strong protections against censorship by law, but none of these protections are absolute and frequently a claim of necessity to balance conflicting rights is made, in order to determine what could and could not be censored. There are no laws against self-censorship.

That is a good starting point because it points out that censorship is not always illegitimate. Typically, in our Western democracies, constitutional guarantees of freedom of speech and expression impose limits on government censorship, with exceptions, but private individuals and organizations typically have more freedom to suppress unwelcome speech and expressions. Thus, while the government may not prohibit a poster proclaiming, “God is not real”, the private owner of a billboard is not required to allow this poster to be put up on his billboard; while the government may not prohibit someone from talking to people about his atheism, you are not required to invite that person into your home and allow them to talk to your family or guests about his atheism. Nor is a church required to allow this atheist to preach his views from their pulpit, or to allow anything at all which contradicts their doctrines to be preached from their pulpit.

When it comes to YouTube removing material from its site, such as a John McArthur clip proclaiming, “‘There is no such thing as transgender. You are either XX or XY. That’s it.”, the big question is, to what extent is YouTube a public space? The same thing is true of Facebook, Twitter, Instagram, etc. These are, after all, private companies, huge though they are, and their platforms correspond to private venues. Additionally, when you sign up to put content on these platforms you typically have to agree to their Terms and Conditions which usually incorporate content guidelines. If their content guidelines prohibit “hate speech”, and their definition of “hate speech” includes the denial of the reality of transgender, or the denial of the legitimacy of various sexual orientations, or the denial of same-sex marriage, then they are fully within their right to remove content that contravenes their guidelines.  And this is not really censorship, because they are not suppressing your right to speak or express your opinions, they simply refuse to provide a venue for certain types of speech. It’s the same as your church prohibiting someone preaching atheism or Buddhism or Islam in their sanctuary.

In the matter of artists removing their materials from Spotify because they disagree with Joe Rogan’s speech in his podcast hosted on the streaming service, the argument is somewhat different. Those who accuse the artists of censorship do so because in their view the artists are are trying to persuade Spotify to censor Joe Rogan. That may well be what they are trying to do, but I would say that  there are a number of reasons which make it perfectly legitimate for these artists to want to leave Spotify, and the economic reality is that their decision will not sway Spotify anyway:

  1. Spotify started out,  and signed these musicians, as a music streaming service, and is now, because of the greater profits they expect, morphing in a podcast platform where the more controversial the views, the greater the revenue. These artists signed up for a music platform; should they be expected to remain with a controversy-focussed podcast platform?
  2. There is a huge discrepancy between what Spotify pays musicians (peanuts) and what they are willing to pay podcasters like Joe Rogan or former British royals Meghan and Harry (millions). I don’t think Spotify is evil for acting doing what they do but neither are the musicians who are not willing to put up with this and are pulling their music — both sides are exercising their freedom.
  3. The artists also raise the question of being affiliated  or associated with Joe Rogan and the views he is willing to tolerate on his podcast. This is ultimately a question of personal conscience. There’s a parallel with COVID-19 vaccines. Some people feel they cannot accept a vaccine because fetal cell lines from an aborted baby may have been involved in the development, testing, or production of the vaccine. Others are either not bothered by that at all or  they agree with the Vatican that while that may indeed be the case, the distance to that initial abortion is so great that it can be discounted. We do well, both with the vaccines and with Spotify, to respect people’s consciences, even where our conscience directs us differently.
  4. And finally, censorship presupposes that the one accused of censoring has some kind of obligation to the one they are censoring, to permit, finance, or facilitate their freedom of speech. I would say that while Neil Young et al may have an obligation to not actively hinder Spotify’s or Joe Rogan’s free speech, they certainly have no obligation to facilitate it by continuing to do business with Spotify. And publicly announcing WHY they are pulling their music falls under their own right to free speech.

I believe that we simply have to live with the fact that Google, YouTube, Facebook, Spotify etc., are private, secular organizations whose management is dominated by people who are not favorable to the Christian faith (or most other faiths, for that matter), and who are motivated primarily by money. They tolerate Christian content to the extent that it does not offend their own views too much, or is unlikely to get them into trouble with influentual segments of their clientel, or makes enough money for them. The same is true with regard to Joe Rogan and other contriversial podcasters: what motivates them is the money they hope to make by hosting these podcasts. But they have no commitment to freedom of speech and expression on their platform, and our legal systems do not require them to have such a commitment. Add to that the fact that most of us, both content providers and content consumers, use the services provided by these companies without a paid contract, and the reality is simply that they have no obligation to us.

Ekstatisch und Asketisch — die Evangelikalen?

Wolf Paul, 2022-02-03

Franz Graf-Stuhlhofer hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß Günter Kaindlstorfer, der bereits im November 2021 eine reichlich tendenziöse Ö1 Radiokolleg-Reihe über die Evangelikalen gemacht hat, es nicht lassen kann, und sich nun, ebenfalls in Ö1, in der Sendereihe Logos – Glauben und Zweifeln, wiederum die Evangelikalen vornimmt.

Anhand der Sendungsbeschreibung kann man schon vorhersehen, daß die Sendung, “Ekstatisch und asketisch” – Warum evangelikale Bewegungen so erfolgreich sind, die am 19. Februar 2022 ausgestrahlt werden soll, auch wieder von Ungenauigkeiten und Fehlern strotzen wird. So wie schon im November, wirft Herr Kaindlstorfer alle möglichen Gruppen in einen Topf; lediglich die Methodisten hat er diesmal, nachdem diese sich wohl nach der Radiokolleg-Reihe beschwert haben, mit einer Erklärung außen vor gelassen. Adventisten und Gemeinden Christi[1], die sich selbst nicht zur evangelikalen Bewegung zählen, sind nach wie vor in dem Mix, und der Titel läßt darauf schließen, daß er sowohl charismatisch/pfingstlerische als auch nicht-charismatische Gruppen und Gemeinden in den einen Topf namens evangelikal wirft. Das ist zwar international durchaus üblich, aber gerade im deutschen Sprachraum nicht. Den evangelikalen Flügel der Evangelischen Kirche (auch als “Fromme” oder “Pietisten” bekannt) ignoriert er geflissentlich.

Ekstase und Askese sind ja Begriffe, die in der Kirchengeschichte immer wieder vorkommen, sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht; wenn man die Freikirchen betrachtet[2], was wohl ein zutreffenderer Begriff wäre für die Gruppe, die Kaindlstorfer mehr oder weniger akkurat portraitieren möchte, dann gibt es sicher Gruppen, denen mehr Ekstase zu wünschen wäre, und andere, bei denen mehr Nüchternheit empfehlenswert wäre. Was die Askese anlangt, kann man wohl sagen, daß allen christlichen Gruppen und Kirchen in Österreich (und im “Westen” insgesamt) mehr Askese gut täte; großteils sind wir genauso Teil der Konsumgesellschaft um uns herum, wie die “Un-” oder “Andersgläubigen”, was schwerlich auf eine wörtliche Auslegung der Bibel zurückzuführen ist.

Lassen wir diese Sendung also auf uns zukommen und hoffen, daß Herr Kaindlstorfer diesmal mehr auf Frank Hinkelmann und weniger auf Bernd Vogt[3]  gehört hat; es wäre seinem Ruf als objektiver Journalist sehr zuträglich.

__________
  1. In der Sendungsbeschreibung werden sie als Churches of Christ genannt, obwohl sie schon seit kurz nach dem 2. Weltkrieg als Gemeinden Christi in  Österreich präsent sind[]
  2. ich verwende den Begriff hier als “Gattungsbezeichnung”, nicht bezogen auf die anerkannte Religionsgemeinschaft der Freikirchen in Österreich[]
  3. Bernd Vogt ist in einer Pfingstgemeinde in Deutschland aufgewachsen und hat dort offenbar viele Verletzungen erlitten; allerdings liegt das alles fast ein halbes Jahrhundert zurück, und die Art von Pfingstgemeinde, die er in seinem Buch schildert, war immer schon am extremen Rand der evangelikalen Bewegung angesiedelt und ist vor allem für die Evangelikalen in Österreich überhaupt nicht repräsentativ.[]

Christians persecuted in Germany …

Wolf Paul, 2022-02-02

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(Sorry, video is in German only)

These parents, Camelia and Petru Furdui from Romania, who now live in Walsrode in northern Germany, must feel themselves transported to their homeland during the time of Communism which they probably only know from their own parents’ stories –but they are living in that model member state of the European Union, Germany!

On April 26, 2021 local Child Protective Services removed their seven children, David, Naomi, Estera, Natalia, Ruben, Albert, and Lea from their care without advance warning and placed them with foster families and in children’s homes. At that point Lea was just over a year old; she recently celebrated her second birthday without her parents and siblings.

After the initial reason given for this drastic measure, an accusation of child abuse, proved to be without basis in fact, the new charge now is that the children’s religious upbringing (the parents are members of a Pentecostal church) is “out of step with the values of the majority society.” A charge like that is clearly a violation of the constitutionally guaranteed freedom of religion and of the right to bring up one’s children. The “Basic Law”, the German constitution, says in Article 6,

(2) The care and upbringing of children is the natural right of parents and a duty primarily incumbent upon them. The state shall watch over them in the performance of this duty.

(3) Children may be separated from their families against the will of their parents or guardians only pursuant to a law and only if the parents or guardians fail in their duties or the children are otherwise in danger of serious neglect.

An upbringing that is “out of step with the values of the majority society” is conspicuously absent as a legitimate reason for separating children from their parents.

Of course one may wonder whether this description of events by the parents Furdui corresponds to the facts, or whether there’s not more to the story — after all, CPS are usually very circumspect when it comes to the removal of children. In this context I note with interest that when one googles “Furdui Walsrode” there are dozens of media reports, mostly from secular media in fact, which bascically tell the same story as the Furduis. I find it hard to believe that no secular journalist could find a legitimate reason for removing those children — if such a legitimate reason were to in fact exist.

Based on other reports about the treatment of Christian parents by German authorities and about the causes of conflicts between Christian immigrants to Germany and the German school system and CPS a very likely scenario would involve one or more of the Furdui school children speaking up in school against some of those values of the majority society which in German schools are increasingly being communicated across the curriculum, such as the full equivalence and legitimacy of all sexual inclinations and expressions. Combined with the immigrant status of the Furdui family I can see CPS taking such action, for examle after a complaint by the school about those maladjusted immigrant children.

And after all, this buzz phrase about being out of step with the values of the majority society fits in very well with this scenario, coming as it does about from a segment of academia which equates conservative Christianity with fundamentalist Islam and paints the horror scenario of parallel societies which the state has to combat.

Mind you, I am not even imputing malicious intent to the CPS officials. In the modern, “progressive” view religion is not just unnecessary, but many aspects of a traditional Christian view of mankind and the world are considered wrongheaded and even immoral (such as the insistance of lifelong marriage between one man and one woman, the disapproval of sex before or outside of such marriage, the condemnation of abortion, the insistance that men and women cannot be arbitrarily exchanged and that a person cannot change his or her sex (or “gender”) at will, etc.). And children have to be protected from wrongheaded and immoral opinions. However, Germany claims to be a country governed by democratically defined laws, and in such a country the standard for measuring the legitimacy of any government action has to be the law, not officials’ individual sense of morality.

If you want to contribute to the family’s legal costs, please use this GoFundMe link.

Christenverfolgung in Deutschland …

Wolf Paul,

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Diese Eltern, Camelia und Petru Furdui aus Rumänien, jetzt wohnhaft in Walsrode in Norddeutschland, müssen sich wohl fühlen, als wären sie in das kommunistische Rumänien zurückversetzt worden, das sie wahrscheinlich nur aus Erzählungen ihrer eigenen Eltern kennen — und das in dem Musterland der Europäischen Union, in Deutschland!

Am 26. April 2021 wurden ihnen vom Jugendamt ihre sieben Kinder, David, Naomi, Estera, Natalia, Ruben, Albert, und Lea, ohne Vorwarnung weggenommen und in Heimen und Pflegefamilien untergebracht. Lea war diesem Zeitpunkt erst knapp über ein Jahr alt; sie feierte vor wenigen Tagen ihren zweiten Geburtstag, ohne ihre Eltern und Geschwister!

Nachdem sich der ursprüngliche Vorwurf der Kindesmißhandlung als haltlos herausgestellt hat wird den Eltern (Mitglieder einer Pfingstgemeinde) nun die religiöse Erziehung der Kinder vorgeworfen “die nicht im Einklang steht mit den Werten der Mehrheitsgesellschaft” — da wird ganz offensichtlich die Religionsfreiheit mit Füßen getreten, ebenso wie das Recht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen. Das deutsche Grundgesetz sagt in Artikel 6,

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Von einer Erziehung, die die nicht im Einklang steht mit den Werten der Mehrheitsgesellschaft ist hier als legitimer Grund für eine Kindeswegnahme nicht die Rede.

Nun kann man sicherlich die Frage stellen, ob diese Schilderung der Vorgänge durch die Eltern Furdui den Tatsachen entspricht, bzw ob da nicht noch mehr dahintersteckt; daß das Jugendamt bei Kindeswegnahmen normalerweise sehr vorsichtig agiert. Was ich in diesem Zusammenhang interessant finde ist, daß, wenn man “Furdui Walsrode” in Google eingibt, viele, auch sekulare, Medienberichte findet, die im wesentlichen die gleiche Geschichte wie die Furduis erzählen, aber keine, die dieser Darstellung widersprechen. Es wäre schon sonderbar, wenn kein sekularer Journalist eine legitime Begründung für diese Aktion finden könnte — wenn es denn eine solche gäbe.

Auf Grund anderer Berichte über das Vorgehen deutscher Behörden gegen christliche Eltern sowie über die Ursachen von Konflikten zwischen christlichen Einwanderern nach Deutschland mit dem dortigen Schulsystem und Jugendamt, kann ich mir beispielsweise gut vorstellen, daß sich eines oder mehrere der Furdui-Schulkinder in der Schule mehrmals gegen einen der Werte der Mehrheitsgesellschaft ausgesprochen hat, die dort fächerübergreifend vermittelt werden, wie z.B. die Gleichwertigkeit aller sexuellen Neigungen. In Kombination mit dem Einwanderer-Status der Familie kann ich mir eine solche Aktion, z.B. nach einer Meldung aus der Schule über diese unangepassten Einwandererkinder, durchaus vorstellen.

Und diese Floskel vom mangelnden Einklang mit den Werten der Mehrheitsgesellschaft paßt da sehr gut dazu, das kommt aus einer bestimmten Ecke, die konservatives Christentum z.B. mit islamischem Fundamentalismus auf eine Stufe stellt und das Entstehen von Parallelgesellschaften als Schreckgespenst an die Wand malt, gegen das der Staat vorgehen muß.

Ich will dabei den Jugendamt-Mitarbeitern nicht einmal böse Absicht unterstellen. Die moderne, “progressive” Sicht der Dinge betrachtet Religion nicht nur als unnötig, sondern sieht viele Aspekte eines traditionellen christlichen Welt- und Menschenbildes als falsch und sogar unmoralisch an (wie z.B. das Beharren auf der lebenslangen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die Ablehnung von vor- und außerehelichem Geschlechtsverkehr, die Ablehnung von Abtreibung, das Beharren darauf, daß Männer und Frauen nicht beliebig austauschbar sind und der Mensch auch sein Geschlecht nicht beliebig wechseln kann, usw.) — und vor falschen und unmoralischen Ansichten muß man Kinder schützen. Allerdings ist in einem demokratischen Rechtsstaat immer noch das Gesetz der Maßstab der Legitimität jeder Maßnahme, und nicht das individuelle moralische Empfinden der handelnden Amtspersonen.

Wer sich an den Anwaltskosten von Familie Furdui beteiligen will, kann diesen GoFundMe Link benützen.