Stir up, o Lord, the Batter for Christmas Puddings

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Bevor das von Papst Pius XI eingeführte Christkönigsfest auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres festgelegt wurde, lautete das Tagesgebet für diesen Sonntag,

Excita, quæsumus, Domine, tuorum fidelium voluntates: ut divini operis fructum propensius exsequentes, pietatis tuæ remedia maiora percipiant: Per Christum Dominum nostrum. Amen.

In deutscher Übersetzung lautet das etwa wie folgt:

Rüttle auf, Herr, den Willen deiner Gläubigen, damit sie, indem sie die Früchte des göttlichen Werkes bereitwilliger ausführen, die größeren Heilmittel deiner Barmherzigkeit wahrnehmen mögen: durch Christus, unseren Herrn.  Amen.[1]

In England, wo Erzbischof Thomas Cranmer das “Book of Common Prayer” produzierte, indem er die römische Liturgie vereinfachte, an die Erkenntnisse der Reformation anpaßte und ins Englische übersetzte, wurde daraus,

Stir up, we beseech thee, O Lord, the wills of thy faithful people; that they, plenteously bringing forth the fruit of good works, may of thee be plenteously rewarded; through Jesus Christ our Lord. Amen.

Deshalb wird dieser letzte Sonntag des Kirchenjahres im englischen Kulturkreis „Stir Up Sunday“ genannt, was zu einer amüsanten Gedankenassoziation geführt hat: „Stir“ bedeutet nämlich auch umrühren, und für das Volk in den Kirchenbänken wurde dieser Anfang des Tagesgebets zu einer Erinnerung, „to stir up the batter for the Christmas puddings“ — den Teig für die Christmas Puddings an- bzw. umzurühren, damit diese rechtzeitig für Weihnachten fertig würden.

Man sagt ja, daß drei literarische Werke überdurchschnittlich viel Einfluß auf das Vokabular der englischen Sprache hatten: die Werke William Shakespeares, die Bibel in der Authorized Version[2] sowie Cranmers Book of Common Prayer, und „Stir Up Sunday“ ist ein gutes Beispiel dafür.

Titelbild „Christmas pudding decorated with skimmia rather than holly.“  🅭🅯🄎 User Musical Linguist on en.wikipedia.org

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  1. Die deutsche Übersetzung im Schott-Messbuch vor der Liturgiereform ist ziemlich frei; hier habe ich mit Hilfe von Google Translate versucht, den lateinischen Text ziemlich genau wiederzugeben.[]
  2. auch King James Version genannt, weil König James I die Übersetzung in Auftrag gegeben hatte[]
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Christkönigs–Sonntag

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Ich hatte in der Bibelschule einen Lehrer, der so besorgt war, man könnte die tatsächliche Königsherrschaft Christi im tausendjährigen Reich anzweifeln oder gar leugnen, daß er es strikt ablehnte, Christus schon jetzt als König zu bezeichnen, trotz gegenteiliger biblischer Indizien und populärer Lobpreislieder.

Aber wir dürfen Christus schon jetzt als König bezeichnen, und deshalb mag ich das Christkönigsfest, welches heuer auf den 20. November, also den kommenden Sonntag, fällt.

Das Christkönigsfest ist ursprünglich ein recht neues, katholisches Fest; es wurde 1925 von Paps Pius XI eingeführt. An seinem heutigen Platz im Kirchenjahr, nämlich dem letzten Sonntag des Jahres (dem Sonntag vor dem ersten Adventssonntag) ist es im Zuge der Liturgiereform nach Vatikan II gelandet. Über das Revised Common Lectionary (RCL), einer ökumenischen Perikopenordnung für Sonn- und Feiertage, die auf dem katholischen „Ordo Lectionum Missae“, dem römischen Messlektionar, aufbaut, hat das Fest auch in viele protestantische Kirchen in der englischsprachigen Welt Eingang gefunden.

In der deutschsprachigen Welt ist das RCL praktisch unbekannt, daher wird das Christkönigsfest bei uns in protestantischen Kirchen nicht gefeiert, was ich sehr schade finde. Stattdessen wird in den evangelischen Kirchen an diesem Sonntag, der „Totensonntag“ oder „Ewigkeitssonntag“ genannt wird, der Toten gedacht.

Wenn wir aber Christus als König feiern, dann sollten wir uns bewußt sein, was das bedeutet. Hier ist ein Abschnitt aus der Enzyklika Quas Primas von Pius XI, mit der das Fest eingeführt wurde:[1]

Wenn nämlich Christus, dem Herrn, alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, wenn die Menschen, die mit seinem kostbaren Blute erkauft sind, unter einem neuen Gesichtspunkt seiner Herrschaft unterworfen werden, wenn endlich diese Herrschaft das ganze menschliche Wesen umfaßt, dann ergibt sich daraus, daß keine einzige Fähigkeit sich dem Einfluß dieser höheren Gewalt entziehen darf.

Christus soll also herrschen über den Verstand des Menschen, der in vollkommener Unterwerfung seiner selbst den geoffenbarten Wahrheiten, den Lehren Christi fest und beständig beipflichten muß; herrschen soll Christus über den Willen, der den göttlichen Gesetzen und Vorschriften folgen muß; herrschen soll er über das Herz, das die natürlichen Gefühle zurückdrängen und Gott über alles lieben und ihm allein anhangen muß; herrschen soll er im Leibe und in seinen Gliedern, die als Werkzeuge oder, um mit dem Apostel Paulus zu reden, als Waffen der Gerechtigkeit für Gott zur inneren Heiligung der Seele dienen sollen.

Das sind alles Wahrheiten, die wir heute sowohl in unserem persönlichen Leben als auch im Kontext vieler Kirchen und Gemeinden aller Traditionen nicht so gerne hören; gerade deshalb tun wir gut daran, sie uns ins Gedächtnis zu rufen und uns zum Abschluß des Kirchenjahres Christus als den König vor Augen zu stellen.

 

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  1. Quas Primas, Absatz 42, zitiert nach dem Text wie er auf der Website www.stjosef.at veröffentlicht ist.  Ich danke meinem Namensvetter Ian Paul der diesen Abschnitt in seinem Blogbeitrag zum Christkönigsfest zitiert, natürlich auf Englisch. Die Absatz-Nummerierung ist in den verschieden Übersetzungen unterschiedlich; in der englischen Übersetzung auf Vatican.va ist dies Absatz 33.[]
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Erntedankfest

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Dies ist die Zeit der Erntedankfeste, wobei die Termine von Ende September und Anfang Oktober (DE, AT) über Mitte Oktober (CA) bis hin zu Ende November (US) reichen.

Heute scheinen unsere Lebensmittel aus dem Supermarkt zu kommen, uns vieles andere per Post aus dem Internet, aber es tut uns allen gut, daran erinnert zu werden, daß letzlich alles, was wir haben aus Gottes guter Hand kommt – und daß es uns auch gegeben wird, damit wir es mit den Menschen, die nicht genug zum Leben haben, großzügig teilen.

Viel von diesem Teilen läuft heute von staatlicher Seite ab (mit unserem Steuergeld natürlich), aber das entläßt uns nicht aus der Verantwortung, dort zu teilen und zu helfen, wo wir Not sehen. Und einfach die Augen verschließen gilt nicht.

Hier ist der Text zu dem Lied im Video:

1. Wir pflügen, und wir streuen
den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen
steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen
sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen,
Wuchs und Gedeihen drauf

Refrain:
Alle gute Gabe
kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm dankt,
drum dankt ihm dankt
und hofft auf ihn.

2. Ersendet Tau und Regen
und Sonn und Mondenschein
und wickelt seinen Segen
gar zart und künstlich ein
und bringt ihn dann behende
in unser Feld und Brot
es geht durch unsre Hände,
kommt aber her von Gott.

Refrain

3. Was nah ist und was ferne,
von Gott kommt alles her,
der Strohhalm und die Sterne,
der Sperling und das Meer.
Von ihm sind Büsch und Blätter
und Korn und Obst von ihm
das schöne Frühlingswetter
und Schnee und Ungestüm.

Refrain

4. Er läßt die Sonn aufgehen,
er stellt des Mondes Lauf;
er läßt die Winde wehen
und tut die Wolken auf.
Er schenkt uns soviel Freude,
er macht uns frisch und rot;
er gibt den Kühen Weide
und seinen Kindern Brot.

Refrain

Text: Matthias Claudius
Melodie: Johan Abraham Peter Schulz

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Liturgie: Plappern wie die Heiden?

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Manche evangelikale Christen stehen Liturgie und vorformulierten Gebeten, ebenso wie den Festen des Kirchenjahres, sehr skeptisch gegenüber: das wäre leeres Geplapper wie die Heiden, und weil die Worte vorgegeben sind, läßt es, im Gegensatz zu freiem, spontanen Gebet, dem Heiligen Geist keinen Raum, und kirchliche Feste sind nur Schatten (Kol. 2,16–17)

In seinem Buch „Eat This Book“ („Iß dieses Buch“)[1], einem messianisch-jüdischen Jüngerschaftshandbuch, behandelt Stuart Dauermann[2] verschiedene Einwände, die auch in messianisch-jüdischen Kreisen gegen liurgisches Gebet vorgebracht werden. Ich möchte hier aus dem Buch zitieren, wie Dauermann zwei dieser Einwände widerlegt:


4. „So ein vorgeplantes und ritualisiertes Gebet läßt dem Heiligen Geist keinen Raum.“

Wer das sagt, beschränkt den Heiligen Geist auf Spontaneität. Das ist ein Irrtum, die Bibel ist anderer Meinung. In 2. Chronik 5 werden der Pomp und das prächtige Zeremoniell bei der Einweihung von Salomos Tempel beschrieben. Die Bibel beschreibt kein anderes Ereignis, welches detaillierter geplant gewesen und strenger nach einem „Drehbuch“ abgelaufen wäre als dieses. Wenn der Einwand gegen vorgeplantes und ritualisiertes Gebet gerechtfertigt wäre, dann hätte diese Tempeleinweihung geistlich tot sein müssen. Stattdessen lesen wir diese Beschreibung:

Darauf traten die Priester aus dem Heiligtum. Alle, die gekommen waren, unabhängig davon, zu welcher Abteilung sie gehörten, hatten sich geheiligt. Die levitischen Sänger, Asaf, Heman, Jedutun, ihre Söhne und Brüder, standen alle, in Byssus gekleidet, mit Zimbeln, Harfen und Zithern an der Ostseite des Altars. Bei ihnen waren hundertzwanzig Priester, die auf Trompeten bliesen. Es kam wie aus einem Mund, wenn die Trompeter und Sänger gleichzeitig zum Lob und Preis des HERRN sich vernehmen ließen. Als sie mit ihren Trompeten, Zimbeln und Musikinstrumenten einsetzten und den HERRN priesen – „Denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig“ -, erfüllte eine Wolke den Tempel, das Haus des HERRN. Die Priester konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes. (2. Chron. 5,11–14, EÜ2016)

Inmitten all dieser genau im Voraus geplanten Pracht erscheint der Herr und überwältigt alle. Der heilige Gott hat offensichtlich kein Problem mit rituellem, formellem und geplantem Gebet, das Ihm von Seinem Volk als Liebrsgabe dargebracht wird. Er zeigt sich gerne in solchen Situationen und nichts verleiht der „Party“ mehr Leben als Seine Gegenwart!

Natürlich,  mit Pomp und Pracht geplantes Zeremoniell kann pompös und pretentiös sein; aber es kann auch Ausdruck der Ehfurcht und des Respekts sein, die dem Thronsaal des Königs der Könige angemessen sind.

5.„Das leeres Geplapper.“

Wieder falsch. Nicht jede Wiederholung ist leeres Geplapper. Wenn jemand zu seiner Liebsten sagt, „Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich!“, ist das zweite und dritte Mal leeres Geplapper? Das glaube ich nicht!


Das heißt natürlich nicht, daß jeder Christ und jede Gemeinde in komplizierten liturgischen Formen beten muß, aber es heißt sehr wohl, daß wir Liturgie im Gottesdienst und auch im privaten Gebet nicht verurteilen dürfen. Man könnte hier durchaus die Worte des Apostels Paulus umschreiben:

Der eine glaubt, er dürfe frei oder liturgisch beten. Der Schwache aber betet nur frei. Wer liturgisch betet, der verachte den nicht, der nur frei betet; und wer nur frei betet, der richte den nicht, der liturgisch betet; denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du, dass du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Er wird aber stehen bleiben; denn der Herr kann ihn aufrecht halten. (nach Römer 14,2–4)

Ein anderes Thema, wo Evangelikale gerne auf Christen in anderen Traditionen herabblicken ist das Einhalten von bestimmten Feiertagen. Meiner Erfahrung nach feiern die meisten evangelikalen Christen zwar Weihnachten und Ostern, aber oft nur als eine gute evangelistische Möglichkeit, weil viele Mitmenschen zu diesen Zeiten für das Evangelium empfänglicher sind als sonst. Sie sehen keinen geistlichen Nutzen im Einhalten dieser Feste, geschweige denn der vielen anderen Festtage im volkskirchlichen Kirchenjahr. Da finde ich dann zwei Dinge interessant:

Erstens: Unmittelbar nach den Versen, auf die ich mich oben bezogen habe, schreibt Paulus folgendes:

Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der andere aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei seiner Meinung gewiss. Wer auf den Tag achtet, der tut’s im Blick auf den Herrn; wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch. … Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? (Römer 14,5–6, 10, LUT 2017)

Zweitens: Auch Israel hatte religiöse Feste, die sie einhielten (und die wahrscheinlich Jesus selbst auch einhielt); sie feierten und erinnerten an die großen Taten, die Gott für sein Volk vollbracht hat. Manche dieser Feste waren biblisch vorgegeben; andere entstammten der jüdischen Tradition. Jesus verdammt diese Tradition nicht; vielmehr sagt er über die Hüter der Tradition:

Alles nun, was sie (die Parisäer und Schriftgelehrten) euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. (Matthäus 23:3, LUT2017)

Auf die Zeit des Neuen Testaments und der Gemeinde Jesu übertragen schließe ich daraus, daß kirchliche Feste, auch wenn sie nicht biblisch geboten sind sondern der Tradition entstammen, dann legitim sind, wenn sie das Handeln Gottes, Ereignisse im Leben Jesu, aber auch das vorbildliche Leben herausragender Jünger Jesu, feiern und uns daran erinnern; und wie Paulus sagt, „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder?“ nur weil er Feste feiert, die du nicht feierst?

Und wenn dann der Einwand von manchen kommt, das Problem wäre vielmehr, daß die (kath.) Kirche ihren Mitgliedern vorschreibt, diese Feste einzuhalten, und das widerspricht der „Freiheit eines Christenmenschen,“ und den Worten des Apostels in Kolosser 2,15 dann stimme ich zwar zu; allerdings lassen sich heute die wenigsten Katholiken von den Vorschriften der Kirche ein schlechtes Gewissen machen, und ich erinnered aran, daß auch evangelikale Gemeinden immer wieder Erwartungen an ihre Gemeindeglieder haben oder hatten, wo man darüber streiten kann, ob sie so in der Bibel stehen oder nicht.

Ich möchte natürlich auch niemandem etwas vorschreiben, weder liturgisches Gebet oder besstimmte Gottesdienstformen, und auch nicht das Einhalten von Feiertagen; ich möchte uns aber zu mehr Respekt aufrufen für Dinge und Praktiken, die andere Christen in ihrem Wandel mit dem Herrn hilfreich finden, nach dem Motto, „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder?

 

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  1. Stuart Dauermann, Eat This Book: Strength for Your Journey with the Jewish Jesus, Heart Ally Books 2022, ISBN-13: Paperback 978-1-63107-044-0, eBook 978-1-63107-043-3;  Amazon | Smashwords []
  2. Stuart Dauermann ist ein „Elder Statesman“ der messianisch-jüdischen Bewegung; er kam 1962 als Musikstudent zum Glauben an Jesus, war Teil Musikgruppe „The Liberated Wailing Wall“ und Gemeinderabbiner einer messianischen Gemeinde. Hier gibt es eine ausführliche Biografie. In deutschsprachigen Liederbüchern ist er als Komponist mehrerer Lobpreislieder zu finden.[]
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Wandel, Zerfall in allem sehen wir

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Diese Gedanken von Chad Bird zu zwei Zeilen aus dem Lied Bleib bei mir, Herr haben mich so angesprochen, daß ich ihn um Erlaubnis gebeten habe, sie zu übersetzen.


Rasch wie ein Tag verrinnt des Lebens Zeit,
die ird’sche Freud und jede Herrlichkeit.
Wandel, Zerfall in Allem sehen wir;
Herr, der Du ewig bleibst, bleib auch bei mir!

Wandel, Zerfall in Allem sehen wir“ – Wir singen dies, wir leben es, und oft genug bluten und weinen wir es auch.

  • Familien zerfallen, Ehen zerbrechen, unsere Hoffnungen für eine schöne Zukunft werden durch Katastrophen überschattet.
  • Menschen, denen wir glaubten, vertrauen zu können, fallen uns in den Rücken.
  • Die Preise steigen während die Löhne sinken, wir haben immer mehr Stress und können immer weniger schlafen..
  • Kirchengemeinden werden aufgelassen, Pastoren sind verzweifelt, und unser ohnehin schwache Glaube kämpft ums Überleben

In unserer Welt, voll von Metastasen des Bösen, der Ungerechtigkeit und Bosheit, sind wir einer endlosen Liste von Wandel und Zerfall ausgesetzt, um uns herum, aber auch in uns selbst.

Also rufen wir, „Herr, der Du ewig bleibst, bleib auch bei mir!“ Und er bleibt. So nah wie die Nässe unserer Tränen. So nah wie das Blut in unseren Herzen. Gott mit uns, in uns, über uns, unter uns, als unser Bruder, Jesus. Er hält uns, bis wir zum Zittern aufhören. Er heilt uns, bis der Schmerz nachläßt. Er liebt uns, bis die Tränen trocknen.

Er ist der Gott, der uns nie verläßt. Wie könnte er auch? Wir sind ihm mehr wert als sein eigenes Leben. Das Kreuz posaunt diese unabänderliche Wahrheit hinaus: Jesus ist lieber gestorben, als uns, die Seinen, zu verlieren.

Ursprünglich auf Facebook gepostet, 21. September 2022. Copyright © 2022 by Chad Bird. Deutsche Übersetzung von Wolf Paul mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Die Liedstrophe am Anfang stammt aus dem Lied, Bleib bei mir, Herr (Abide With Me),  Übersetzung von ©  Bertram Kottmann

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Rote Fäustlinge für die Königin

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Ein Tribut an Königin Elizabeth II von Ian Kleinsasser, Crystal Spring, anläßlich ihres Todes
9. September 2022

Dieser Bericht liefert eine plausible Erklärung dafür, warum Königin Elizabeth II von England im Rahmen ihres Besuche in Manitoba (Kanada) , aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Provinz Manitoba, eine Hutterer-Kolonie besucht hat.

(Für eine kurze Vorstellung der Hutterer, bitte hinunterscrollen)

Die Geschichte beginnt im Januar oder Februar 1969, ungefähr ein Jahr vor dem Manitoba-Besuch der Königin. An einem verschneiten Wintertag war eine hutterische Frau namens Hans-Rebecca[1], in der Rainbow Hutterer-Kolonie[2] fleißig dabei, zwei Paar rote Wollfäustlinge zu stricken. Auf die Frage, für wen diese Fäustlinge gedacht waren, antwortete Hans-Rebecca, „Das sind keine gewöhnlichen Fäustlinge; ich stricke sie für Königin Elizabeth II.“

Und tatsächlich, als Hans-Rebecca die Fäustlinge fertiggestrickt hatte, packte sie sie ein und schickte sie über den Atlantik zum Buckingham Palace in London. Einen Monat später landete ein sehr offiziell aussehender Brief auf Hans-Rebeccas Tisch. Der Brief war von einer der Hofdamen von Königin Elizabeth, und darin stand:

„Königin Elizabeth nimmt normalerweise keine persönlichen Geschenke aus der Bevölkerung an, macht jedoch in diesem Fall eine Ausnahme.“

In dem Brief stand auch, daß Königin Elizabeth anläßlich ihres Kanada-Besuches im Jahr 1970 gerne eine Hutterer-Kolonie besuchen würde. Die Hofdame dankte Hans-Rebecca für die Fäustlinge und sagte, daß Königin Elizabeth ihr ausrichten ließ, daß sie die Fäustlinge gut für ihre Kinder brauchen könnte.

Als Königin Elizabeth II dann 1970 nach Kanada reiste, äußerte sie tatsächlich den Wunsch, eine Hutterer-Kolonie in Manitoba zu besuchen, und obwohl Hans-Rebecca möglicherweise die Auslöserin dieses Besuches war, war es ihr nicht vergönnt, die Königin zu treffen. Nur junge Leute, Diene (Dirndeln) und Buem (Buben) wurden zu dem Treffen mit der Königin in Milltown eingeladen[3].

Die Geschichte von Hans-Rebecca ist eine plausible Erklärung dafür, warum Königin Elizabeth eine Hutterer-Kolonie in Manitoba besuchen wollte, erklärt aber nicht, wie dieser Besuch aus politischer oder organisatorischer Hinsicht zustande kam, soll heißen, wer die Fäden gezogen hat, um ihn zu ermöglichen. Dazu  findet man in einem Artikel von Kevin Rollason in der Winnipeg Free Press, mit dem Titel, „A Brush With History“ („Anstreifen an der Geschichte“), nähere Details:

Laut Rollason hat der damalige Premierminister von Manitoba, Edward Schreyer, eine Schlüsselrolle dabei gespielt, den Besuch in der Milltown Hutterer-Kolonie zu ermöglichen. Schreyer war sehr verrtraut mit den Hutterern und hatte dazu beigetragen, das Gentleman’s Agreement[4] aufzuheben, das den Hutterer-Kolonien in Manitoba unfaire Beschränkungen auferlegt hatte. Schreyer schildert in dem Free Press-Artikel seine Perspektive:

„Das (der Wunsch, eine Hutterer-Kolonie zu besuchen) war etwas ungewöhnlich, aber ich habe zum Telefon gegriffen und die Milltown-Kolonie angerufen, um zu fragen, ob die Königin eine Hutterer-Kolonie besuchen könne. Am nächsten Tag sagten sie (die Hutterer-Leiter) zu. Kurz gesagt, die Königin war sehr erfreut und sagte bei mindestens zwei Gelegenheiten, wie sehr sie sich über diesen besonderen Besuch gefreut hatte. Und als die Königin und Prinz Philipp zwei oder Tage später auf dem Flughafen waren, um abzureisen, wurden sie von einer kleinen Gruppe aus der Kolonie verabschiedet.“

Schreyer liefert hier eine gute Erklärung, wie dieser Besuch zustande kam, und weist auch darauf hin, wie ungewöhnlich diese Bitte von Königin Elizabeth war. Könnte es sein, daß das Geschenk von zwei Paar roten Fäustlingen im Jahr zuvor die Ursache war, daß sich die Behörden in Manitoba jetzt mit dieser ungewöhnlichen Bitte abgeben mußten?

Schreyers Bericht erklärt auch nicht, warum gerade die Milltown Hutterer-Kolonie für diesen Besuch ausgewählt wurde. Ein wahrscheinlicher Grund ist die Nähe der Kolonie zur Bahnstrecke und zum Bahnhof in Elie, Manitoba.

Als die Königin in Milltown ankam wurde sie von einer neugierigen Menschenmenge hutterischer Frauen, Männer und Kinder erwartet, Bewohnner der Milltown-Kolonie sowie anderer Hutterer-Kolonien aus der Umgebung. Nach einer Führung durch die Milltown Kleinschul (Kindergarten), das Kirchengebäude und den Speisesaal der Kolonie kehrte Königin Elizabeth wieder zu ihrem Fahrzeug zurück. Bevor sie abfuhr, sangen die jungen Mädchen der James Vallery Hutterer-Kolonie nahe Elie nach einigen Berichten das Lied Should We Meet No More von Daniel O Teasley. Andere berichten, daß sie God Be with You Till We Meet Again sangen. Als zwei hutterische Männer, Josh Hofer und sein Sohn Nathanial Hofer mit den James Valley-Mädchen ein deutsches Lied ansyimmten, stellte sich Prinz Philipp dazu und sang mit[5].

Schließlich verließen Königin Elizabeth und ihre Begleiter die Milltown-Kolonie und fuhren zum Bahnhof von Elie zurück, gefolgt von vielen Hutterern, die den königlichen Zug abfahren sehen wollten. Königin Elizabeth stand auf der hinteren Plattform des Zuges und winkte der jubelnden Menge auf dem Bahnsteig der Canadian National Railway zum Abschied zu.

Wahrscheinlich werden wir nie wissen, ob es zwei Paar handgestrickte rote Wollfäustlinge waren, die zum Wunsch der Königin geführt haben, bei ihrer Kanada-Reise im Jahr 1970 auch eine Hutterer-Kolonie in Manitiba zu besuchen. Was wir aber sehr wohl wissen über den Besuch der Königin: daß sie kam! Und daß seither viele kanadische Hutterer gerne an diesen Besuch zurückdenken. Heute trauern wir, gemeinsam mit tausenden Menschen weltweit, um eine bemerkenswerte Persönlichkeit, die Königin Elizabeth II. Gott mit dir bis wir uns wiedersehen!

Copyright © 2022 by Ian Kleinsasser.  Übersetzt und hier veröffentlicht mit Genehmigung des Autors. Photo Credit: Mennonite Heritage Archives.

Ein Hinweis des Übersetzers:

Die Hutterer sind sogenannte Täufer, die im frühen 16. Jahrhundert in Südtirol entstanden sind. Aufgrund von religiöser und politischer Verfolgung migrierten sie über Mähren (Tschechien) und Oberungarn (heute Slowakei) nach Siebenbürgen (Rumänien), wo sie mit Kärntner Geheimprotestanten, die ebenfalls vor der Verfolgung durch die Habsburger geflohen waren, in Kontakt kamen, infolgedessen ihr Tiroler Dialekt weitgehend durch das Kärntnerische ersetzt wurde. Von dort ging es weiter in die Walachei (Südrumänien) und schließlich in die Ukraine (damals Russisches Reich). Nachdem im späten 19. Jahrhundert ihre Wehrdienstbefreiung in Frage gestellt wurde, migrierten sie zwischen 1874 und 1879 in die USA, und dann, in der Zwischenkriegszeit aus ähnlichen Gründen nach Kanada, wo die meisten Hutterer heute leben.
 
Die Hutterer leben in Gütergemeinschaft (nach Apostelgeschichte 2), in Siedlungen, die Kolonien genannt werden. Es gibt drei große Gruppen, die Schmiedeleut, die Dariusleut und die Lehrerleut, benannt nach ihren Begründern, sowie etliche kleinere verwandte Gruppen, darunter die Bruderhof-Gemeinschaft, die gerade dabei ist, ihre zweite Niederlassung in Österreich zu gründen.
Für eine ausführlichere Beschreibung empfehle ich diesen Wikipedia-Artikel.
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  1. Hans-Rebecca: Rebecca Maendels Vater hieß Hans. Früher war es üblich, den Vornamen ihres Vaters an den eigenen Vornamen anzuhängen, um sich von anderen Trägern des gleichen Namens innerhalb einer Kolonie zu unterscheiden.[]
  2. Die Rainbow Hutterer-Kolonie lag in Île des Chênes, Manitoba.[]
  3. Zur Zeit des königlichen Besuches war Hans-Rebecca 48 Jahre alt. Sie war zwar noch unverheiratet, galt aber nicht mehr als Teil hutterischen Jugendgruppe und fuhr daher auch nicht mit der Gruppe mit, die Königin zu sehen.[]
  4. Das Gentleman’s Agreement wurde 1957 als Reaktion auf Befürchtungen wegen des Wachstums der Hutterer zwischen dem Städtebund von Manitoba und den Hutterern geschlossen und begrenzte sowohl die Zahl als auch die Größe der Hutterer-Kolonien. Es war von Anfang an diskriminierend und wurde immer schwieriger einzuhalten. 1970 wurde es, nach einem Rechtsstreit infolge eines größeren Landkaufs einer Kolonie von der Manitoba Menschenrechtskommission als diskriminierend und daher rechtswidrig aufgehoben.[]
  5. Das deutsche Lied war „Ich habe nun den Grund gefunden“.[]
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Ehre der Ukraine und Sieg ihren Verteidigern!

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Слава Україні та перемога її захисникам!

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, wo einerseits Krieg als etwas ganz Schreckliches und Abzulehnendes angesehen wurde (ich habe ziemlich früh Bücher wie E. M. Remarques „Im Westen nichts Neues“ gelesen, welches die Schrecken des Ersten Weltkriegs schildert), andererseits aber durchaus auch Dankbarkeit herrschte gegenüber den Alliierten des Zweiten Weltkriegs, die gegen Hitler und seine Schergen gekämpft und unser Land von Nazideutschland befreit hatten, und dann (zumindest die Amerikaner) auch den Wiederaufbau finanziell unterstützt haben.[1]

Nach meiner Bekehrung zu einem entschiedenen, evangelikalen Christentum tendierte ich sehr stark in Richtung der Theorie des Gerechten Krieges; dabei war mir durchaus bewußt, daß die Beurteilung, ob ein Krieg „gerecht“ war, voll dorniger Fragen war.

Im letzten Jahrzehnt, als Reaktion auf den katastrophalen Ausgang der Kriege der USA und ihrer Verbündeten in Afghanistan und Irak, die ja in gewisser Hinsicht durchaus als gerechte Kriege gesehen werden konnten,[2] sowie durch die Lektüre von Büchern aus der anabaptistischen Tradition, neigte ich zunehmend zu einem ziemlich absoluten Pazifismus.

All das hat sich in den letzten sechs Monaten drastisch geändert; ein absoluter Pazifismus ist für mich, nach dem illegalen und brutalen Angriff von Vladimir Putins Russland auf die Ukraine,[3]  nicht mehr haltbar. Für mich ist klar, daß ein Land in der Situation der Ukraine sowohl vor Gott als auch vor den Menschen jedes Recht hat, sich auch mit miliärischen Mitteln gegen gegen den Aggressor zu verteidigen. Ich glaube, daß das durch Römer 13,4 abgedeckt ist: die Regierung „trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut.“ — in diesem Fall an Vladimir Putin und seiner Armee. Ich bete für den Sieg der ukrainischen Verteidiger über den brutalen Aggressor, und daß Putin und seine Verbündeten, einschließlich des schandhaften Patriarchen Kyrill,[4] aus dem Weg geräumt werden (wobei das „Wie“ Gott überlassen bleibt), und ich hoffe, daß unsere westlichen Regierungen von EU, Großbritannien, USA und anderen Ländern, die Ukraine auch weiterhin, und zwar so lange wie notwendig, unterstützen werden und Putins Drohungen nicht nachgeben. Putin darf von seiner Kriegsbeute nichts behalten.

 Und deshalb lese ich mit Genugtuung (vermischt mit Trauer über die vielen Toten) von den militärischen Durchbrüchen der ukrainischen Streitkräfte und der Einkesselung russischer Truppen. Dabei bin ich überzeugt, daß es russischen Soldaten in ukrainischer Gefangenschaft wesentlich besser gehen wird, als ukrainischen Soldaten, die von den Russen gefangengenommen werden.

Ehre der Ukraine, und Sieg ihren Verteidigern!

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  1. Mein Elternhaus wurde durch einen ERP-Kredit finanziert (ERP: European Recovery Program, offizieller Name des Marshall-Plans) []
  2. sofern man nicht von vornherein anti-amerikanisch oder anti-westlich eingestellt war[]
  3. Die These, daß der russische Angriff berechtigt war, weil sich Rußland durch die ukrainischen Bemühungen, der EU und der NATO beizutreten, bedroht gefühlt hätte, ist nicht haltbar. Kein einigermaßen vernünftiger Mensch geht davon aus, daß die USA, und erst recht ihre europäischen NATO-Verbündeten, in Europa einen Krieg anzetteln würden — auf die Idee kommt nur einer, der einen solchen Angriff selbst für ein probates Mittel zur Erreichung seiner großrussischen Träumereien hält und es deshalb auch anderen zutraut.[]
  4. Wie alle orthodoxen Bischöfe ist Kyrill ein Mönch, hat jedoch ein Privatvermögen von rund 4 Milliarden Dollar angehäuft, was auch ohne seine Unterstützung von Putins Krieg ein bezeichnendes Licht auf ihn wirft.[]
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Kindheitserinnerungen: Wohin soll ich mich wenden?

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Vor zweieinhalb Monaten, Mitte Juni 2022, postete ich diesen Text auf Facebook;[1] unterhalb finden sich dann noch ein paar Gedanken zu meinen Kindheitserinnerungen.

Mit zunehmendem Alter, und krank im Bett liegend, gehen mir allerlei Kindheitserinnerungen durch den Kopf – darunter auch so manche Lieder, die ich jeden Sonntag in der Kirche gesungen habe, aus der Betenden Gemeinde, dem Gesang- und Gebetbuch der Erzdiözese Wien bis zur Einführung des Gotteslob im ganzen deutschen Sprachraum.

Auf der Suche danach auf YouTube sehe ich, daß etliche davon aus der Deutschen Messe von Franz Schubert stammen, mit Texten vont Johann Philipp Neumann.

Neu angehört, mit einem bewußteren Glauben als damals in den frühen 1960er Jahren, kann ich immer noch das meiste bejahen, wenn auch vielleicht mit einer etwas anderen Betonung, einem anderen Verständnis als die Gläubigen in der Katholischen Kirche.

Manche dieser Lieder könnten wir mit Gewinn in unseren evangelkalen Gottesdiensten singen, als Ausgleich zu den oft sehr seichten modernen Anbetungsliedern (obwohl natürlich auch die evangelische Kirchenliedtradition reiche Schätze bietet, ebenso wie die erweckliche Tradition der Reichslieder).

Nur eines wirkt für den Evangelikalen, der ich heute bin, etwas befremdlich: es ist zwar in einigen Liedern die Rede vom Heiland und vom Erlöser, aber der Name des Heilands und Erlösers, Jesus, wird nicht ein einziges Mal erwähnt. Angesichts von Philipper 2, 5–10 scheint das ein wesentliches Versäumnis.

Hier ist ein Link zu einer YouTube Playlist der Lieder (wesentlich besser gesungen als damals in unserer Pfarrkirche in Wien-Eßling):

Auf dieser Seite des Erzbistums Köln gibt es die Texte sowie auch Noten und Hintergrund-Informationen zur Deutschen Messe.

Im Gotteslob finden sich nur mehr drei dieser Lieder („Wohin soll ich mich wenden“, „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe“, und „Heilig, Heilig, Heilig“) im Hauptteil des Buches; die übrigen finden sich nur im Diözesananhang für Bayern und Österreich. Ich habe keine Ahnung, wieviele diese Lieder heute tatsächlich noch regelmäßig gesungen werden, außer natürlich bei speziellen, musikalischen Vorführungen z.B. in der Schubertkirche in Lichtental (1090 Wien).

Soweit mein etwas ergänzter Facebook-Post.

Als Folge meiner nunmehr bereits mehr als vier Monate andauernden Bettlägrigkeit ist mein Schlafrhytmus sehr gestört, und entweder schlafe ich erst lange nach Mitternacht ein, oder aber ich wache so gegen zwei oder drei Uhr auf und habe dann Schwierigkeiten, vor fünf oder sechs Uhr wieder einzuschlafen. So auch heute: ich bin gegen halb drei Uhr aufgewacht, mit der Melodie des Schubert-Glorias in meinem inneren Ohr, und habe mir dann die oben verlinkte Aufnahme der Deutschen Messe angehört und gleichzeitig aus meinem Facebook-Post diesen Blogeintrag gebaut.

Wie bereits oben erwähnt kommen mir, und zwar nicht erst in den letzten Jahren als alter Mann, Erinnerungen aus meiner Kindheit ins Bewußtsein. Zum ersten mal aufgefallen ist mir dies bereits vor etlichen Jahren bei einer Gemeindefreizeit auf dem Mariahilfberg in Gutenstein. Neben dem evangelikalen Gästehaus, in dem wir untergebracht waren, gibt es dort ein Servitenkloster mit Wallfahrtskirche, die scheinbar vor allem von katholischen Gläubigen aus Polen und der Slowakei besucht wird.

Eines Morgens ging ich auf der Suche nach einem Platz für meine Stille Zeit an der Kirche vorbei, wo gerade eine Messe im Gange war. Die Kirchentür war zu, und ich habe auch kein Wort verstanden, aber nach wenigen Augenblicken wußte ich, nur anhand meiner Kindheitserinnerungen an den Rhytmus einer Meßfeier, an genau welchem Punkt im Ablauf der Liturgie diese Messe gerade war — und das, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als zwanzig Jahre in keiner katholischen Messe mehr gewesen war.[2]

Obwohl ich nach meiner Bekehrung 1971 sehr gedrängt wurde, der römisch-katholischen Kirche den Rücken zu kehren (ich bin dann auch tatsächlich ausgetreten), und in meinem neuen evangelikalen Umfeld Katholiken kaum als Christen anerkannt wurden,[3] war mir schon damals bewußt, und ist mir seither immer stärker bewußt geworden, wieviel ich meiner katholischen Erziehung, in einer sehr frommen Großfamilie[4] auch in geistlicher Hinsicht verdankte: bei uns gab es nicht nur den Volksschott, ein lateinisch-deutsches Meßbuch mit der „vor-vatikanischen“ Liturgie, sondern auch mehrere Bibeln, und ich war daher schon als neubekehrter Evangelikaler recht vertraut mit der Bibel. 

In den letzten zwanzig Jahren bin ich durch meine Teilnahme am „Runden Tisch für Österreich“ und durch Initiativen wie „Österreich betet gemeinsam“ wieder mit mehr Katholiken in Verbindung, und habe in diesem Umfeld sowie in einigen katholischen Erneuerungsbewegungen wie „Loretto“ viele liebe Geschwister kennengelernt. In der katholischen Pfarre in unserem Weinviertler Dorf haben wir vor ein paar Jahren an einem Alpha-Kurs teilenommen, und dann bis zum Beginn der Pandemie an einem monatlichen Lobpreisabend, der jedes mal mit eucharistischer Anbetung[5] endete. Das gehört zwar nicht zu meiner evangelikal geprägten Frömmigkeit[6], aber die Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Christus hat mich sehr beeindruckt, auch wenn ich Jesu Gegenwart nicht an die Hostie in der Monstranz gebunden verstand.

Was uns trotz aller, nach wie vor bestehender Unterschiede in Theologie und Frömmigkeitspraxis, in geschwisterlicher Liebe verbindet, ist der Glaube an Jesus Christus, den für unser Heil gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes, und das erscheint mir viel wichtiger als die institutionelle Ökumene.

Soweit ein paar Gedanken, angestoßen durch die nächtlichen Kindheitserinnerungen eines alten Mannes. Erstaunlich, wie weit die Gedanken schweifen.

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  1. Für diesen Blog-Eintrag habe ich ein paar Stellen ergänzt und Infos aus den Kommentaren eingearbeitet.[]
  2. Außer anläßlich des Begräbnisses meines Vaters, wo ich ganz andere Dinge im Kopf hatte[]
  3. Das ist nicht rein theologisch zu erklären, sondern evangelikale Christen und freikirchliche Gemeinden waren damals im traditionell katholischen Österreich eine als „Sekten“ diskriminierte ubd verunglimpfte Minderheit; diese Feindseligkeit ging vielfach von der Kirche aus und wurde von uns auch durchaus erwidert[]
  4. Von den neun Geschwistern meiner Mutter ging eine Schwester ins Kloster und ein Bruder wurde Priester; im Wohnzimmer der Großeltern hing ein päpstliche Orden für Verdienste um die Kirche während der Nazizeit, beide meiner Eltern waren in ihrer Jugend in der Katholischen Jugend aktiv und später, da war ich allerdings schon aus dem Haus, arbeiteten beide Eltern als katholische Religionslehrer[]
  5. Ich muß dem Wikipedia-Artikel und auch dem weitverbreiteten Mißverständnis entgegen treten, daß bei der eucharistischen Anbetung die Hostie angebetet bzw verehrt wird. Die Anbetung gilt Jesus, der nach katholischem Verständnis in der Gestalt der Hostie gegenwärtig ist.[]
  6. Auch wenn ich, im Gegensatz zu manchen Evangelikalen, im Abendmahl nicht nur nach Zwingli ein “bloßes” Gedächtnismahl sehe sondern glaube, daß wir mit Brot und Wein auf geistliche Weise den Leib und das Blut Christi empfangen. Im Gegensatz zur katholischen Lehre glaube ich nicht, daß wir das „Wie“ von Christi Gegenwart irgendwie definieren können oder sollen – es ist ein Mysterium. Was die eucharistische Anbetung angeht, halte ich es mit dem klassischen anglikanischen Gebetbuch, wo es heißt, „Christus hat die Sakramente nicht eingesetzt, damit wir sie betrachten oder herumtragen, sondern daß wir sie in rechter Weise empfangen.“[]
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Sonderbare Bettgenossen

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Das Karl-May-Magazin berichtet über die Münchner Premiere des frei nach Motiven von Karl May erzählen und rund um den sonderbaren Rückzieher des Ravensburger-Verlages bereits kontrovers diskutierten Filmes „Der junge Häuptling Winnetou“, am 7. August 2022 (der Film ist seit 11. August in den Kinos).

Natürlich wurde in der Pressekonferenz nach der Uraufführung auch die kulturpolitisch heiße Frage gestellt: Indigene als Filmfiguren, die auch noch überwiegend deutsch besetzt sind – geht das heute überhaupt noch?

Regisseur Mike Marzuk antwortet auf diese Frage nicht ganz politisch korrekt, daß das in einem deutschsprachigen Film kaum zu umgehen sei, spricht dann doch noch politisch korrekt mehrmals von „Native Americans“ statt von Indianern und meint abschließend, „Wir drehen gern Filme über Freundschaft, auch über kulturübergreifende Freundschaften. Aber Filme sollen nicht unterrichten, sondern unterhalten.

Und es ist diese Aussage (der ich durchaus zustimme), die für mich eine interessante Gemeinsamkeit von konservativ-fundamentalistischen, vor allem evangelikalen Christen einerseits und „woken,“ „progressiv“-fundamentalistischen Aktivisten andererseits, aufzeigt; im Englischen spricht man von „strange bedfellows“, sonderbaren Bettgenossen:

Beide lehnen nämlich diese These von Regisseur Marzuk ab und sehen Romane und Filme nur dann als gerechtfertigt an, wenn diese sehr wohl primär als Lehrmittel angelegt sind: Sie sollen nicht nur unterhalten (das natürlich auch, sonst fänden sie ja kein Publikum), sondern unbedingt auch Wahrheiten vermitteln, theologisch-korrekte für die Christen und politisch-korrekte für die Progressiven.

Deshalb sind im konservativ-christlichen Lager hauptsächlich Romane erfolgreich (und werden dann auch verfilmt), die irgendein Thema „biblisch“ beleuchten[1] ; diese werden dann von ihrem Zielpublikum auch oft nicht als Fiktion gelesen, sondern als biblisch-theologische Glaubens- und Lebensratgeber. Gleichzeitig wird von manchen gegen Filme, die sich auf „christliche“ Themen beziehen und dabei das christliche Wahrheits- und Ehrfurchtsgefühl verletzen[2] ähnlich vehement protestiert, wie von moslemischen Fundamentalisten gegen die Satanischen Verse oder Charlie Hebdo, wenn auch ohne Gewalt.

Und ebenso hält man im „progressiven“ Lager Literatur und Filme, die nicht der aktuellen politischen Korrektheit entsprechen (darunter auch viele Klassiker der Weltliteratur), für entbehrlich, ja sogar gefährlich, und geht daher mit den Mitteln der „Cancel Culture“ dagegen vor, damit z.B. Verlage diese (Beispiel Ravensburger) zurückziehen, Kinos sie boykottieren oder Unis sie aus den Lehrplänen streichen.

Ich halte solche Proteste und „Cancellations“ für kontraproduktiv. Kaum jemand bekehrt sich zu Christus, weil er  von Demonstranten am Kinobesuch gehindert wird, oder zu einer „progressiven“, anti-kolonialistischen Geisteshaltung, weil irgendwo gegen einen schwarz geschminkten Othello-Darsteller demonstriert wird.

Überzeugungsarbeit sieht anders aus: dem Anderen Intoleranz vorzuwerfen, wenn man es selbst an Toleranz gegenüber Andersdenkenden mangeln läßt, ist selten überzeugend.

Und diejenigen, die solche explizit belehrenden Romane schreiben bzw Filme produzieren, sind meist keine wirklichen Künstler (denn die lassen sich normalerweise keinen ideologischen Maulkorb, welcher Art auch immer, anlegen), sondern bestenfalls gute Handwerker, und das, was sie produzieren ist dann auch nicht Kunst, sondern solide, gut verkäufliche Handwerksarbeit.

 

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  1. z.B. Finsternis dieser Welt usw von Frank Peretti oder die FinaleSerie von LaHaye und Jenkins[]
  2. z.B. Das Leben des BrianDie letzte Versuchung Christi, aber auch Sakrileg (The DaVinci Code), die Harry Potter Bücher und Filme, und von manchen sogar Tolkiens Der Herr der Ringe[]
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Biblisch? Christus-Ähnlich?

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Diesen Text habe ich von Craig Greenfield übernommen und übersetzt:

Auf dem Berg der Verklärung steht Jesus mit Moses und Elija (als Verteter von Gesetz und Propheten im AT) (Matt 17:1-9).

Gottes Gebot lautet, “Dieser ist mein Sohn, Ihn sollt ihr hören!”

In diesem mächtigen Augenblick,
mit diesen mächtigen Worten,
wird Jesus über alle anderen Lehrer gestellt, und auch über alle anderen Stellen in der Schrift.

Deshalb müssen wir die Bibel durch die Linse von Jesu Leben und Lehre lesen.

Deshalb kann Jesus sagen, “Ihr habt gehört, dass gesagt ist ( 2. Mose 21,24): Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, Liebet eure Feinde.”

Deshalb streben wir
nicht so sehr danach, biblisch zu sein,
sondern vielmehr danach, Jesus-ähnlich zu sein.

Anmerkung von Wolf: Und ja, mir ist schon klar, daß dieses Auslegungsprinzip auch verdreht und mißbraucht werden kann und wird, was aber nichts an seiner Gültigkeit ändert. Und man kann darüber streiten, was in dem Bild hier oberhalb “biblisch” bedeutet, aber jeder Leser guten Willens versteht das schon.

Und schließlich besteht immer die Gefahr, daß wir die Schrift nicht durch die Linse von Jesu Leben und Lehre lesen, sondern durch die Linse des Bildes von Jesus, das wir uns zurechtgelegt haben.

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