An Exemplary Man: Janusz Korczak

Wolf Paul, 2025-03-16

I am currently reading Leonkadia (Lorraine) Justman’s account 1) about her time in the ghettos of various Polish cities, her escape to Innsbruck, and her further life in the “Third Reich.”

I was particularly moved by this passage about Janusz Korczak, a Polish military and pediatric doctor, children’s book author, and educator who ran an orphanage in Warsaw and moved with it into the ghetto:

Janusz Korczak was a bachelor who had lovingly devoted himself to the orphans of Warsaw for years. He wrote for and about them; he played with them and fulfilled their every wish. He was their everything, and they were his one and greatest love. When a friend offered him safe refuge within his four walls, he declined. He did not want to be separated from his children and accompanied them into the ghetto to share their fate and ease their lives. No one who met these lively little beings would have thought they were orphans. Their sunny disposition, their love of music, and their many interests were proof of the cheerful atmosphere in which they were raised. Surrounded by his charges, one could easily have mistaken Janusz Korczak for their devoted father.

Janusz Korczak’s orphanage in the Warsaw Ghetto, Chłodna Street 33

“It’s quite warm today,” he remarked… “Summer is striving toward God. Hopefully, the next year will embrace us just as warmly so that I can take my little darlings out into nature. Into the green forests, to the golden fields, onto the colorful meadows. To show them the beauty of God reflected in the brook or river.”

“That will be great!” exclaimed the freckled Henryk. “Then we’ll walk along the railway tracks, far, far away from the ghetto to the land of true happiness.” Henryk was a dreamer and loved inventing stories about a beautiful future. But wasn’t that precisely what was needed in these times, when the present was so terrifying and hopeless? Lewin cleared his throat. “Let us pray for this great day of peace,” he added with the pathos of a preacher. “It will bring the end of the war and the end of all cruelty, for all of us.”

“Peace…” Janusz Korczak’s blue-gray eyes gleamed with the radiance of youth. “That will be a great, great day!”

Janusz Korczak had not the slightest idea what would happen a year later. He could not foresee that he and his children would then be transported in dark, stifling cattle cars into the unknown. He could not know that he would use the same words about the beauty of nature—the tall trees, the clear rivers and streams—to comfort his frightened charges, whose fate he shared to the very end. How could he ever have imagined that exactly one year later, instead of great freedom, the great gate to the land of horror and death would be waiting—the diabolical, inhuman machinery of deranged minds—the land of the gas chambers of Treblinka?

Janusz Korczak was murdered with the entire population of the orphanage when it was sent to the Treblinka extermination camp during the Grossaktion Warschau of 1942.

  1. Leonkadia Justman’s survival story was turned into a book as part of a project at the University of Innsbruck and is available both as a hardcover book and as an eBook: Brechen wir aus!: Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol. Eine autobiografische Überlebensgeschichte (Let’s Break Out!: A Polish Jewish Woman on the Run in Tyrol. An Autobiographical Survival Story. A briefer earlier version is available in English, as hardcover only: In Quest for Life: Ave Pax []

Ein beispielhafter Mann: Janusz Korczak

Wolf Paul,

Ich lese gerade Leonkadia (Lorraine) Justmans Bericht1 über ihre Zeit in den Ghettos verschiedener polnischer Städte, über ihre Flucht nach Innsbruck, und ihr weiteres Leben im “Dritten Reich”.

Besonders berührt hat mich dieser Abschnitt über Janusz Korczak, einen polnischen Militär- und Kinderarzt, Kinderbuchautor und Pädagogen, der in Warschau ein Waisenhaus betrieb und mit diesem ins Ghetto übersiedelte: 

Janusz Korczak war ein Junggeselle, der sich schon seit Jahren liebevoll den Waisen von Warschau widmete. Er schrieb für sie und über sie; er spielte mit ihnen und erfüllte ihnen jeden Wunsch. Er war ihr Ein und Alles, und sie waren seine einzige und größte Liebe. Als ein Freund ihm sichere Zuflucht in seinen vier Wänden anbot, lehnte er ab. Er wollte sich nicht von seinen Kindern trennen und begleitete sie ins Ghetto, um dort ihr Schicksal zu teilen und ihnen das Leben zu erleichtern. Niemand, der diesen munteren Geschöpfen begegnete, hätte sie für Waisen gehalten. Ihr sonniges Gemüt, ihre Liebe zur Musik, ihre zahlreichen Interessen waren der Beweis für die heitere Atmosphäre, in der sie aufgezogen wurden. Umgeben von seinen Schützlingen hätte man Janusz Korczak leicht für ihren aufopferungsvollen Vater halten können.

Januzs Korczaks Waisenhaus im Warschauer Ghetto, Chłodna-Straße 33

„Es ist ziemlich warm heute“, bemerkte er… „Der Sommer strebt zu Gott. Hoffentlich nimmt es das nächste Jahr ebenso mit uns auf, dass ich meine kleinen Lieblinge hinaus in die Natur bringen kann. In die grünen Wälder, zu den goldenen Feldern, auf die bunten Wiesen. Um ihnen die Schönheit Gottes zu zeigen, die sich im Bach oder Fluss spiegelt.“

„Das wird großartig!“, rief der sommersprossige Henryk. „Dann gehen wir an den Bahngleisen entlang weit, weit weg vom Ghetto ins Land des wahren Glücks.“ Henryk war ein Träumer und erfand gerne Geschichten über eine schöne Zukunft. Aber war das nicht in diesen Zeiten, in denen die Gegenwart schrecklich und hoffnungslos war? Lewin räusperte sich. „Beten wir für diesen großen Tag des Friedens“, fügte er mit dem Pathos eines Predigers hinzu. „Er wird das Ende des Krieges und das Ende all der Grausamkeit bringen, für uns alle.“

„Frieden…“ Janusz Korczaks blaugraue Augen leuchteten mit dem Glanz der Jugend. „Das wird ein großer, großer Tag!“

Janusz Korczak hatte nicht die geringste Ahnung, was ein Jahr später passieren würde. Er konnte nicht voraussehen, dass er und seine Kinder dann in dunklen, stickigen Viehwaggons ins Ungewisse fahren würden. Er konnte nicht wissen, dass er dann mit denselben Worten über die Schönheit der Natur, die hohen Bäume, die klaren Flüsse und Bäche seinen ängstlichen Schützlingen etwas vormachen würde, deren Schicksal er bis zum Ende mit ihnen teilte. Wie hätte er je ahnen sollen, dass genau ein Jahr später er statt der großen Freiheit das große Tor zum Land des Schreckens und des Todes warten würde—zur teuflischen, unmenschlichen Maschinerie kranker Geister—zum Land der Gaskammern von Treblinka?

Janusz Korczak wurde zusammen mit der gesamten Bevölkerung des Waisenhauses ermordet, als es während der Großaktion Warschau im Jahr 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert wurde.

 

  1. Leonkadia Justmans Überlebensgeschichte wurde im Rahmen eines Projekts an der Universität Innsbruck in Buchform gebracht und ist sowohl als gebundenes Buch als auch als eBook erhältlich: Brechen wir aus!: Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol. Eine autobiografische Überlebensgeschichte[]

Mein Aktueller Status

Wolf Paul, 2025-03-14

So habe ich meinen Status im Juli 2024 beschrieben; unterhalb gibt es eine Eränzung/Aktualisierung:

Kürzlich hat mich jemand auf Facebook nach meinem Gesundheitszustand gefragt, daher hier ein kurzes Update:

Im April 2022 hatte ich eine Operation wegen eines Abszesses an der Innenseite meines rechten Oberschenkels und war mehrere Monate mit einem “vacuum-assisted closure” Gerät ans Bett gefesselt. Als dieses nach etwa drei Monaten entfernt wurde, waren meine Beinmuskeln so stark verkümmert, dass ich nicht mehr aufstehen oder auch nur mein Gesäß vom Bett heben konnte.

Nach viel Arbeit war ich im Oktober 2023 fast wieder in der Lage, mit Hilfe einer stabilen Gehhilfe aufzustehen, als ich wegen einer Lungenentzündung für zwei Wochen im Krankenhaus lag. Als ich entlassen wurde, war ich wieder am Ausgangspunkt, und seitdem geht es nur sehr langsam voran.

Dank meines Kindle, YouTube und live gestreamten Gottesdiensten im Gefolge von Covid, sowie gelegentlichen Besuchen und regelmäßigen Anrufen von Freunden habe ich mir meinen Verstand bewahrt, während ich auf die 2 Quadratmeter meines Bettes beschränkt bin.

Großer Dank gebührt meiner Frau Geraldine, die mich die ganze Zeit hindurch hingebungsvoll gepflegt und versorgt hat.

Update 14. März 2025:

Die Fortschritte bei der Re-Mobilisierung sind nachwievor sehr langsam. Fast das gesamte erste Halbjahr 2024 hatte ich auch andauernde Probleme mit meinem Harnkatheter, der immer wieder — manchmal bis zu dreimal am Tag — verstopft war, was einen Besuch in der Urologie des LKH Mistelbach erforderte. Ich wurde sowhl dort als auch in den Rettungswägen des Roten Kreuzes zum Stammgast. Nach mehrmaliger Aufforderung durch mich, meine Hausärztin, und Rotkreuz-Mitarbeiter wurde ich schließlich stationär aufgenommen, und eine Blasenspiegelung förderte ein etwa fingerdickes, ca 2,5cm langes weißes Gebilde zutage: ein “Altblutkoagel”. Seit der Entfernung desselben funktioniert mein Katheter wieder einwandfrei.

Meine liebe Frau Geraldine pflegt mich nach wie vor aufopfernd, aber wie man sich vorstellen kann, ist  die Tatsache, daß ich  rund um die Uhr von ihr abhängig bin,das eine große Belastung für sie. Zweimal ist bisher meine Schwester Eva eingesprungen, so daß Geraldine zum 70er ihrer Schwester in England fliegen konnte, und auch unsere Tochter Jessica und Familie im Südburgenland besuchen konnte. Jetzt sind wir dabei, diverse Pflegeangebote zu recherchieren und zu sehen, welche finanziellen Unterstützungen es dafür gibt.

Meine Außenkontakte sind naturgemäß ziemlich eingeschränkt; eine Handvoll Leute besucht mich eingermaßen regelmäßig, ein Freund ruft mich mehrmals in der Woche an, und mit anderen stehe ich per E-mail, Facebook, WhatsApp, und Telegram in Verbindung. Mehr, und regelmäßigere Besuche wären natürlich willkommen, aber ich verstehe, daß das für viele nicht drin ist.

“Almost everything that the West did was morally wrong”?

Wolf Paul, 2025-03-10

I do not understand people who can say with a straight face,

“Should we throw the first stone at Putin when almost everything that the West did was also morally wrong.”

Strange Time Zones

Wolf Paul, 2025-03-09

Koalitionsfragen

Wolf Paul,

Nach dem dramatischen Scheitern der Koalitionsverhandlungen von FPÖVP, wo allen Beteeiligten und Zuschauern klar wurde, welcher dramatische Staatsumbau weg von Demokratie und hin zu einem autokratischen Gebilde nach Orbans Beispiel Herbert Kickl vorschwebt, und schließlich sogar der schwarz-türkise Wirtschaftsflügel eingesehen hat, daß mit dem “möchte-gern Volkskanzler” kein Staat zu machen ist, haben es SPÖVPNEOS doch noch geschafft, über ihre jeweils eigenen parteipolitischen Schatten zu springen und sich auf eine Regierung zum Wohl des Landes zu einigen.

Es bleiben zwei Fragen:

  1. Warum hat das nicht schon beim ersten Alauf geklappt? und
  2. Wie lange wird diese Bereitschaft, das Wohl Österreichs über die eigenen Parteiinteressen zu stellen, anhalten?

Donald Trumps Botschaft an die Welt

Wolf Paul,

Es lohnt sich nicht, Verbündeter der USA unter seiner Herrschaft zu sein, denn er wird dich nicht verteidigen, er wird dir höhere Zölle auferlegen als seinen Feinden und wird dir mit der Beschlagnahmung deines Territoriums drohen, während er gleichzeitig die Diktaturen unterstützt, die dich überfallen.
— Claude Malhuret, frz. Senator

Trump’s message to the world

Wolf Paul,

There is no point in being an ally of the United States under his regime since he will not defend you, he will impose more customs duties on you than on his enemies and will threaten to seize your territories while supporting the dictatorships that invade you.
— Claude Malhuret, French Senator

American Exceptionalism under Trump

Wolf Paul,

Two crucial aspects of American Exceptionalism under Donald Trump are (1) the conviction that obligations entered under international treaties are mere suggestions and can be disregarded at will, and (2) the United states can always make and discard it’s own rules at will.

Wann hört mir jemand zu?

Wolf Paul,

„Wenn man anfängt, etwas zu sagen, sollte man wissen, was man sagen will. Wenn man etwas nicht in einer Minute zusammemfassen kann, kann man es in einer Stunde auch nicht sagen.
Ich kann ihnen genau sagen, wann einem jemand zuhört: wenn er das Gefühl hat, daß jemand weiß, was er sagen will.“
— Johannes Hartl