Ein paar Gedanken zu Covid-19

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(Dieser Post ist eine beabsichtigte “Dauerbaustelle” – er wird mit Sicherheit laufend korrigiert und ergänzt, wenn sich meine Meinung verschiebt oder ich mir zu anderen Aspekten des Themas Gedanken mache. Letzte Aktualisierung: 2022-01-18 17:06:20)

Wir befinden uns am Anfang des dritten Jahres der globalen Covid-19 Pandemie, und die unterschiedlichen Meinungen dazu, und zu den Maßnahmen dagegen, spalten zunehmend die Gesellschaft, angefangen in Familien, in Kirchengemeinden, und natürlich in der Politik auf allen Ebenen. Hier sind einige meiner Überlegungen zu dem Thema.

Zu allererst meine persönliche Situation: Ich habe mich lange nicht impfen lassen, weil es mir angesichts meiner gesundheitsbedingten Mobilitätsprobleme zu schwierig erschien. Mein Hausarzt macht impft nicht und macht auch normalerweise keine Hausbesuche, und die diversen Impfstellen erfordern alle etweder lange Fußwege vom Parkplatz oder, im Fall von Impfbussen, längers Warten im Freien. Und angesichts meiner Wohnsituation, in einem relativ abgelegenen Dorf, und durch meine Mobilitätsprobleme ohnehin nie draußen unter Menschen, schien die Dringlichkeit nicht gegeben.

Mitte Dezember hat sich die Gelegenheit ergeben, anlässlich eines Besuches bei meiner Tochter, von ihrem Hausarzt bei einem Hausbesuch geimpft zu werden, und die habe ich wahrgenommen; in den nächsten Wochen werden wir diese Aktion wiederholen und ich werde mir meinen “zweiten Stich” holen. Es gibt in meinem unmittelbaren Umfeld auch Leute, die aus Überzeugung ungeimpft sind und es auch bleiben wollen, und damit muß und kann ich leben, auch gut leben.

Wenn es jetzt um die große Diskussion geht, dann ist die erste Frage, die sich stellt, ist, ob wir überhaupt eine Pandemie haben, ob Covid-19 nicht nur eine neue Variante der Grippe ist, auf die wir genauso reagieren sollten, bestenfalls mit freiwilligen Impfungen und keinen weiteren Maßnahmen. Diejenigen, die diese Meinung vertreten, zweifeln normalerweise die Statistiken über erhöhte Sterblichkeit und die Überlastung des Gesundheitssystems an, und gehen davon aus, daß die Zahlen von den Regierungen manipuliert werden, um die “drakonischen” Einschränkungen der Bürgerrechte zu rechtfertigen, mit denen sie uns aus nicht näher definierten, aber sicherlich bösartigen, Gründen nerven.

Ich kann diese Meinung ganz und gar nicht nachvollziehen:

Wenn ich mir unsere Politiker, hier in Europa, in Amerika, und auch sonstwo auf der Welt, ansehe, dann sind das alles keine intellektuellen Koryphäen, und sie gehören auch nicht zu den fähigsten Leuten (die sind auf besser bezahlten Posten in der Wirtschaft zu finden). Ich halte es für absolut unglaubwürdig, daß diese Leute, quer durch alle politischen Lager, eine globale Verschwörung aufgezogen haben, die nur von ein paar besonders Schlauen durchschaut wird; daß sie es geschafft haben, die Medien, die Wirtschaft, die ja mit Ausnahme der Impfstoff- und Maskenhersteller auch unter den Einschränkungen leidet, sowie das gesamte Gesundheitssystem, in diese Verschwörung einzubinden. Wir reden ja hier von Leuten, die erstaunt sind, daß man Jahre nach irgendeinem korrupten Postenschacher anhand ihrer SMS- und WhatsApp-Nachrichten ihre Absprachen rekonstruieren und ihnen daraus einen Strick drehen kann; von Leuten, die sich selbst nicht an die Regeln halten, die sie der Bevölkerung aufzwingen und dann ganz erstaunt sind, wenn dieses Benehmen rauskommt und die Bevölkerung dann nicht tolerant darüber hinwegsieht, usw. 

Damit das funktioniert, müsste die Mehrzahl der Ärzte korrupt sein und mitspielen; müssten Wirtschaftsbosse, deren Firmen aufgrund von Lockdown usw. den Bach runtergehen, den Mund halten; müssten wirklich alle Politiker korrupt sein.

Es sind übrigens die Anhänger solcher Verschwörungstheorien, die gr¨oßtenteils für die Spaltungen verantwortlich sind, weil sie dazu neigen, alle, die sich an die Vorgaben der Regierungen halten, für Mitverschwörer oder zumindes Mitläufer zu halten, sich von ihnen verraten fühlen und ihnen daher grundsätzlich mit Mißtrauen begegnen.

Von dieser absoluten Verweigerungshaltung gegenüber einer angenommenen Welterschwörung zu unterscheiden sind meiner Meinung nach differenzierte Haltungen, die aus verschiedenen Gründen die Notwendigkeit und Effektivitʼ¨ät der Maßnahmen, von Masken über Social Distancing bis zu Impfungen, anzweifeln, oder die für sich pers¨onlich die Nebenwirkungen von Impfungen für schwerwiegende erachten, als das Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder gar zu sterben, oder, unter Christen, die den Tod nicht als so tragisch sehen und ihn daher möglichen Dauerschäden bevorzugen. Solche Meinungen sollte man respektieren, auch wenn man sie nicht teilt; allerdings sollte man sich in den meisten Fällen die Freiheit nehmen, nicht unbedingt notwendige Kontakte mit Leuten, die solche Meinungen vertreten, einzuschränken, wenn man es für die eigene Sicherheit für notwendig erachtet.

Wie sehe ich nun die Maßnahmen der Regierung zum Thema Covid-19?

Es steht für mich außer Zweifel, daß die Maßnahmen nicht immer gut durchdacht sind, und erst recht nicht optimal argumentiert und kommuniziert wurden und werden Der Grund dafür liegt in genau der gleichen Unvollkommenheit unserer Politiker, die mich an der Weltverschwörung zweifeln läßt, sowie in der Spannung zwischen der Notwendigkeit, Maßnahmen zu setzen und dem Bewußtsein, daß diese Maßnahmen Auswirkungen haben könnten, die einen zuk¨unftigen Wahlerfolg beeinträchtigen oder verhindern können: Wenn eine Regierung keine ausreichenden Maßnahmen gegen das Risiko der Pandemie ergreift, und es kommt zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle oder einem Kollaps des Gesundheitssystems, dann werden die verantwortlichen Politiker garantiert geprügelt und bei der nächsten Wahl abgestraft. Andererseits, wenn eine Regierung nach bestem Wissen und Gewissen Maßnahmen ergreift, zum Beispiel eine Maskenpflicht einführt oder einen Lockdown verhängt, nehmen ihr auch dies viele Menschen übel, und stimmen bei der n¨ächsten Wahl für Politiker, die sich lautstark gegen diese Maßnahmen ausgesprochen haben. Wie bei so vielen Entscheidungen stehen Politiker vor der Wahl, das zu tun, was ihnen ihr Gewissen als richtig anzeigt, oder das, was am ehesten Wählerstimmen bringt. Das ist eine der großen Schwächen der Demokratie; die Schwächen alternativer Regierungssysteme sind allerdings größer und schwerwiegender.

Die Politiker, sowohl in der Regierung als auch in der Opposition, sind auch zumeist keine Experten, weder für Medizin, noch für Wirtschaft, sondern sind von Beratern abhängig. Auch wenn es einen breiten Konsens gibt, was die notwendigen Maßnahmen betrifft, so gibt es immer wieder laut vorgebrachte abweichende Meinungen von genausogut qualifizierten Fachleuten, die das ganze noch schwieriger machen.

Das andere große Thema ist die Frage, wie wir als Christen sowohl mit der Pandemie als auch mit dem großen Streit darüber umgehen. Auf der Covid-Infoseite auf dem Österreichischen Freikirchenatlas habe ich zwei Videos verlinkt, eines von Johannes Hartl, und eines von Johannes Reimer, sowie Stellungnahmen der Evangelischen Allianz in in Österreich und Deutschland.

Ich habe dort auch geschrieben, “Als Christen sind wir allerdings zur Rücksichtnahme auf andere Menschen aufgerufen, sowie dazu,  staatliche Gesetze zu befolgen, solange sie nicht Gottes Geboten widersprechen. Außerdem sollen wir uns nicht Gottes Rolle als Richter anmaßen, und daher möchte ich uns, als Jünger Jesu, dazu aufrufen, unsere Meinungsäußerungen gut zu überlegen. Höchstwahrscheinlich ist Vieles, was uns an den Maßnahmen der Regierung “aufstößt”, nicht die Folge von Lügen ist oder ein Versuch, uns mutwillig unsere Bürgerrechte wegzunehmen, sondern einfach die Folge von Überforderung und der Spannung zwischen vielleicht notwendigen Maßnahmen und dem Wunsch, auch die nächsten Wahlen zu gewinnen, und daher das “Stimmvolk” nicht zu vergrämen. Ich will damit ausdrücklich nicht sagen, daß wir Regierung und Politiker nicht kritisieren dürfen (das ist unser verfassungsgemäßes Recht), aber wir sollten niemandem vorschnell unlautere Motive unterstellen, von Verschwörungstheorien ganz zu schweigen.

Am 18. Januar hat Ulrich Parzany auf Facebook gepostet, “Angesichts der schmerzlichen Konflikte auch in christlichen Gemeinden über Impfungen und Corona-Maßnahmen rate ich Römerbrief Kapitel 14 und 15 zu lesen. Allerdings liegt auch darin Sprengstoff: Wer ist denn nun schwach oder stark – Impfbefürworter und Impfgegner? Jedenfalls, etwas weniger moralische Keule von beiden Seite wäre schon hilfreich.”

Das war leider kein sehr erfolgreicher Aufruf, denn in den Kommentaren wurde, mit wenigen Ausnahmen, weiterhin die moralische Keule geschwungen.

Dabei ist der Hinweis auf Römer 14 sehr passend. Um Römer 14:2 zweimal leicht angepasst zu zitieren:

Der eine glaubt, er soll sich impfen lassen. Der Schwache aber lässt sich nicht impfen. Wer sich impfen lässt, verachte den nicht, der sich nicht impfen lässt, denn Gott hat ihn angenommen.

und —

Der eine glaubt, die Impfung ist gefährlich und unnötig. Der Schwache aber meint, die Impfung sei gut und notwendig. Wer die Impfung für unnötig hält, verachte den nicht, der sich Impfen lässt, denn Gott hat ihn angenommen.

Das Argument, daß die Impfgegnerschaft objektiv falsch ist, oder auch einer sündigen Ideologie entspringt, wie einer der Kommentatoren leichtfertig urteilend schreibt, zählt hier genauswenig, wie die Tatsache, daß laut Paulus die Speisevorschriften für Christen nicht gelten. Den anderen annehmen, weil auch Gott ihn angenommen hat, gilt auf jeden Fall.

Dazu kommt dann noch, daß Paulus in 2. Korinther 10:5 sagt, wir sollen “alles Denken gefangen nehmen in den Gehorsam gegen Christus.” Christus sagt uns, «Wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: “Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.» (Matthäus 5:22) Es wäre also wirklich gut, unsere Gedanken soweit zu beherrschen, daß wir beim Gedanken an einen Mitmenschen, mit dem wir unterschiedlicher Meinung sind, auch wenn wir seine Meinung für grundfalsch und unvernünftig halten, zwar durchaus denken, “Dieser Bruder, oder dieser Mensch, hat unrecht”, aber nicht “Dieser Idiot hat unrecht.” Ich bin absolut überzeugt davon, daß diese Disziplin, unsere Gedanken gefangen zu nehmen, dazu führen würde, daß wir anders miteinander umgehen.

Und wir sollten bedenken, daß wir unseren Menschen Respekt schulden, nicht für ihre richtige Meinung, sondern weil sie im Ebenbild Gottes erschaffen sind, wie sehr dieses auch durch Sünde und Unwissenheit entstellt sein mag.

Wenn es dann darum geht, was lieblos ist, so ist jeder für seine eigenen liebvollen oder lieblosen Handlungen verantwortlich, und das Zeigen auf andere ist erfahrungsgemäß nicht sehr hilfreich.

Noch ein Gedanke zu der Vorstellung, daß das ganze eine Verschwörung zur Einschränkung unserer Bürgerrechte ist:

Gerade in Österreich sollten wir als Christen diesbezüglich vorsichtig sein. Im Gegensatz zu manchen anderen Ländern sind hier nämlich Kirchen und Gottesdienste von den staatlichen Maßnahmen explizit ausgenommen; die Verordnung gelten ausdrücklich nicht für “Räumlichkeiten zur Religionsausübung”, und auch die diversen Lockdowns, einschließlich des noch immer geltenden Lockdowns für Ungeimpfte, haben als Ausnahmebestimmung die “Befriedigung religiöser Grundbedürfnisse”, mit klaren Erklärungen von Regierungsseite, daß dies auch den Gottesdienstbesuch umfaßt. Die Kirchen und Religionsgemeinschaften sind aufgefordert, für ihren jeweils eigenen Bereich die ihnen notwendig erscheinenden Maßnahmen zu ergreifen; das ausführlichste Beispiel solcher eigener Maßnahmen ist die Rahmenordnung für Gottesdienste der röm.-kath. Bischofskonferenz. Und bemerkenswerter Weise findet sich dort dieser Satz, an dem sich auch evangelikale Gemeinden ein Vorbild nehmen könnten: Um niemanden von der Feier öffentlicher Gottesdienste von vornherein auszuschließen, ist die Teilnahme weiterhin ohne Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr im Sinne der aktuellen staatlichen Verordnung zur Bekämpfung der Verbreitung von COVID-19 (d.h. ohne 2G- bzw. 3G-Nachweis) möglich. 

Diese Situation mit Bezug auf Gottesdienste sowie auch die Tatsache, daß bis heute regelmäßig Demonstrationen gegen die staatlichen Maßnahmen stattfinden, bei den diese (Abstands- und Maskenpflicht) von einer Mehrheit der Demonstrationsteilnehmer ignoriert werden, ist für mich ein ausreichendes Indiz dafür, daß es dem Staat nicht um eine allgemeine Einschränkung der Bürgerrechte geht.

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Gerechtigkeit …

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“Sondern das Recht ströme wie Wasser,
die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Amos 5,24

Eine Freundin, Karin Laser Ristau, die in einem Altersheim in Kanada lebt und arbeitet, hat kürzlich diesen Vers auf Facebook gepostet, und als Antwort auf die Frage einer Leserin, “Was ist unsere Rolle dabei?”, hat Dr. Jerry Shepherd, Professor für Altes Testament am Taylor College and Seminary in Alberta, Kanada, den folgenden Kommentar gepostet:

Das Alte Testament spricht auf vielerlei Weise davon.

Recht und Gerechtigkeit bedeuten im Alten Testament vor allem, diejenigen gerecht zu behandeln, die ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten sind, die in Not sind, die unterdrückt oder an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden.

Das Alte Testamen hat also viel dazu zu sagen, wie man gerecht oder richtig handelt:

  • für die Witwen, die Waisen, und die Armen zu sorgen;
  • denen Geld zu borgen, die in Not sind;
  • alle Menschen mit Würde und Respekt zu behandeln, weil sie im Ebenbild Gottes geschaffen sind;
  • den Nächsten zu lieben, und auch den “Fremdling” in unserer Mitte;
  • den Armen zu helfen, indem man die Felder nicht vollständig aberntet;
  • die Armen vor Gericht gerecht zu behandeln statt sie über den Tisch zu ziehen und ihnen so ihr Recht zu verwehren;
  • die Zwangsenteignung von Menschen zu verhindern und Spekulanten entgegenzutreten;
  • die Armen vor unfairen Steuern bewahren;
  • der Korruption und Bestechung ein Ende zu machen.

Das sind nur ein Paar Wege, wie Recht und Gerechtigkeit in der Gesellschaft zum Ausdruck kommen sollen.

Ich finde, das fordert uns als Jünger Jesu heraus, weil wir so manche sehen, die diese Gerechtigkeit mehr verkörpern, als viele von uns. Allzu oft neigen wir dazu, das Christ-Sein und das Evangelium in erster Linie als eine Frage unserer eigenen Erlösung zu sehen, als das Ticket für unsere persönliche Himmelfahrt. Aber Jesus hat sehr viel davon gesprochen, daß das Reich Gottes hier auf Erden sichtbar werden soll, und das ist zum Teil unsere Verantwortung.

Ich finde es bedrückend, wenn Menschen, die teilweise recht unbiblische Ansichten vertreten, mehr von dieser Gerechtigkeit verwirklichen als so manche, deren Theologie untadelig rechtgläubig ist.

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Die Unsicherheit der Wissenschaft

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Detlef Günther, Vizepräsident der ETH Zürich, im Gespräch mit Wiener Zeitung-Redakteurin Eva Stanzl:

Wissenschaft ist eine der ältesten globalen Aktivitäten. Sie versorgt die Gesellschaft mit Fakten und Innovation. Was bis an hin vielleicht vernachlässigt wurde, ist, zu erklären, wie wir zu diesem Wissen kommen. Wissenschaft heißt: Hypothese aufstellen, sie verwerfen, neue Hypothese aufstellen und diese wieder verwerfen – und dabei immer mit Unsicherheiten rechnen. Die Pandemie hat erstmals in dieser Breite einen gesellschaftlichen Diskurs darüber angestoßen und dadurch hat sich auch eine gewisse Konfusion eingestellt. Deshalb wird der Dialog mit Gesellschaft und Politik in der Zukunft noch enorm viel wichtiger. Die Kompetenzen der Akteure müssen dabei klar abgesteckt sein.

Daß Wissenschaft voll von Unsicherheiten ist, mag Wissenschaftern und belesenen Laien bewußt sein, aber in der breiten Masse der Bevölkerung hat jedoch schon lange der Glauben vorgeherrscht, daß wissenschaftliche Erkenntnisse gesicherte  und eigentlich unumstößliche Tatsachen sind,  Dieser Glauben ist entstanden, weil allzu viele Wissenschafter als auch Wissenschaft-gläubige Publizisten in ihren öffentlichen Äußerungen diese inherenten Unsicherheiten bewußt oder unbewußt verschweigen oder herunterspielen.

Im Kontext der Pandemie, mit ständig wechselnden, neuen Erkenntnissen, ist nun jedoch die wahre Natur von Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit sichtbar geworden und hat das Trugbild in den Köpfen zerstört. Das führt zu Enttäuschung, Verunsicherung, und Konfusion.

Es ist für den normal sterblichen Menschen schwer zu verkraften, daß die Koryphäen, deren Aussagen wir immer vertraut haben, angesichts von Covid-19 und allem drum herum zumindest eine zeitlang genauso verwirrt und überfordert waren und teilweise noch sind, wie der Rest von uns. Das hat das Vetrauen massiv erschüttert.

Auch der Vertrauensverlust in die Politik, der allerdings schon lange vor der Pandemie, und aus anderen Gründen, begonnen hat, hängt damit zusammen:

  • Einerseits erweckt der häufige Kurswechsel, der von dem Herumlavieren zwischen verschiedenen Zielsetzungen (Infektionsvermeidung, Eindämmung der wirtschaftlichen Nebenfolgen von Maßnahmen) sowie den Entwicklungen des Pandemiegeschehens und der wissenschaftlichen Erkenntnisse bestimmt wird, den Eindruck, daß die Politiker genauswenig Bescheid wissen, wie wir alle, und
  • andererseits trägt paradoxerweise gerade der Erfolg von Maßnahmen wie Lockdown, Masken, und Kontaktbeschränkungen dazu bei, daß das Vertrauen der Bevölkerung schwindet, weil die bedrohlichen Vorhersagen nicht in vollem Umfang eingetreten sind.

Diese Phänomene werden von Verschwörungstheoretikern und Demagogen, vor allem vom rechten Rand des politischen Spektrums, ausgenützt und als Beweis dafür angeführt, daß Covid eh nicht so schlimm, eine Art Grippe halt, ist, und von machtgeilen Eliten ausgenützt wird (wenn nicht sogar von ihnen erfunden wurde) um unsere demokratischen Freiheiten zu untergraben und die “Neue Weltordnung” herbeizuführen.

Als Christ, der die Aussagen der Bibel ernst nimmt, glaube ich zwar auch, daß soetwas wie eine “Neue Weltordnung” kommen wird (die Bibel spricht von der Herrschaft des Antichristen), aber ich glaube eben nicht, daß wir sie dadurch verhindern können, indem wir vernünftige Hygiene-Maßnahmen verweigern, und ich glaube auch nicht, daß sie durch die weltweiten, doch relativ unkoordinierten und verworrenen anti-Covid Maßnahmen eingeleitet wird.

Ich halte es da mit Martin Luther, der in einem Brief an den schlesischen Reformator Dr. Johann Heß schrieb,

“Wenn Gott tödliche Seuchen schickt, will ich Gott bitten, gnädig zu sein und der Seuche zu wehren. Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden, wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.”

(Luthers Werke Band 5, Seite 334f.)

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Sittenverfall?

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Vor einiger Zeit bin ich auf YouTube auf die Episoden der deutschen Fernsehserien, “Die Ruhrpottwache“, “Auf Streife“, und “Die Spezialisten” gestoßen, und habe mir viele der Folgen angesehen. Laut Beschreibung sind dies sogenannte “Scripted Reality”-Nachstellungen von echten Polizei- und Ersthelfer-Einsätzen, wobei die Polizisten und Ersthelfer zumeist von echten Polizisten und Ersthelfern dargestellt werden, während die restlichen Rollen von Schauspielern gespielt werden. Es ist ein interessantes Konzept, und als alter Krimi-Fan ist es für mich ganz unterhaltsam, den wenig romantischen,”richtigen” Alltag von deutschen Polizisten kennenzulernen.

Die Shows sind natürlich sehr politisch korrekt und erlauben sich keine moralischen Urteile über die Lebensstile und -entwürfe der handelnden Personen, außer wenn diese eindeutig strafbare Handlungen begehen. Auch die Polizisten, Sanitäter und Ärzte betonen immer wieder ihre moralische Neutralität, solange keine Straftaten vorliegen. Sie sympathisieren zwar vielleicht mit dem betrogenen Partner, erlauben sich aber gegenüber dem fremdgehenden Partner keinerlei Urteil. Lediglich bei Vergehen gegen Kinder, oder bei Ausnützung hilfloser oder schutzbedürftiger Personen, erlauben sie sich ein moralisches Urteil. Auch in Bezug auf gleichgeschlechtliche Beziehungen wird sorgfältig auf Neutralität geachtet, außer daß schon mal ein Polizist auf eine anzügliche Bemerkung eines Mannes mit heftiger Ablehnung reagiert.

Trotzdem habe ich eine interessante Beobachtung gemacht: Nach Eigentumsdelikten sind die meisten Straftaten auf die eine oder andere Weise Beziehungstaten, und zwar meistens im Kontext von relativ häufig wechselnden romantisch/sexuellen Beziehungen. Immer wieder ist es ein Ex-Freund oder Freundin , die entweder ihren Ex-Partnern oder deren neuen Flammen eins auswischen wollen, und dabei verbotene Dinge tun. Oder Elternteile, die im Gefolge von Trennung und/oder Scheidung ihre Kinder nicht mehr so oft sehen können, wie sie wollen, oder neue Partner von Elternteilen, die keinen Bock auf die Kinder ihrer Partner haben und diesen daher das Sorgerecht sabotieren wollen. Oder Menschen, die auf eine Arbeitskollegin oder einen Arbeitskollegen gleichen Geschlechts stehen, und daher deren Verlobung und Heirat verhindern wollen. Was dann auffällt, ist das komplett fehlende Unrechtsbewußtsein des Täters oder der Täterin: „Der/die hat das doch verdient!“

Das heißt, das sind alles Straftaten, die ihren Ursprung irgendwie in der heutigen, verwirrten Sexualmoral haben, wo nicht mehr die auf Dauer angelegte Ehe zwischen einem Mann und einer Frau die Norm ist, sondern Beziehungen fast so oft und mit genausowenig Überlegung oder Reflexion wie Unterwäsche gewechselt werden, und man die Verletzung, die dann bei dem einen oder anderen zurückbleibt, einfach als gegeben annimmt.

Ich habe natürlich keinerlei Illusionen, daß es vor der “sexuellen Revolution” keine Beziehungsprobleme und daraus resultierende Straftaten gegeben hat; aber die Vermutung liegt nahe, daß bei weniger oft wechselnden Beziehungen auch weniger Verletzungen resultierten, und weniger daraus resultierende derartige Straftaten begangen wurden.

Ich brauche daher nicht einmal meinen christlichen Glauben und die aus diesem entspringenden Überzeugungen zu Sexualität, Ehe, und Elternschaft bemühen, um zu dem Schluß zu kommen, daß die heutige Situation bei weitem nicht das Gelbe vom Ei ist, sondern einen massiven Sittenverfall darstellt, und zwar hier bei uns in Österreich genauso wie in Deutschland.

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Männlein und Weiblein sind nun mal nicht austauschbar …

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… so sehr das auch diversen derzeit modernen Ideologien zuwider läuft.

In der “profil Morgenpost” von heute berichtet Isabel Russ, daß Bundeskanzler Sebastian Kurz demnächst Vater wird:

Sebastian Kurz wird Vater. Es passiert selten, dass eine Nachricht aus dem Bundeskanzleramt durchwegs mit positiven Reaktionen aufgenommen wird. Auch wir gratulieren zu diesem neuen Lebensabschnitt.

Hat sich eigentlich schon jemand gefragt, was das für die Karriere des Kanzlers bedeutet? Als Annalena Baerbock, Spitzenkandidatin der Grünen bei der Bundestagswahl in Deutschland, noch als potentielle Kanzlerkandidatin galt, stellten viele Medien die Frage, ob eine Mutter denn Kanzlerin werden kann. Bei Männern spielt Nachwuchs oft gar keine Rolle. Wussten Sie zum Beispiel, dass Finanzminister Gernot Blümel letztes Jahr Vater wurde? Frauen und Männer werden leider heute noch mit zweierlei Maß gemessen.

Und so holt die biologische Realität die ideologischen Fantasien wieder mal ein. Es liegt nun mal in der Biologie begründet, daß ein Baby im Leben der Mutter einschneidendere Veränderungen mit sich bringt, als im Leben des Vaters.

Ob diese Veränderungen die Ausübung einer hohen politischen Funktion beeinträchtigen oder gar unmöglich machen, ist natürlich eine andere Frage, bei deren Beantwortung sowohl gesellschaftliche Erwartungen an Eltern und an Politiker beiderlei Geschlechts, als auch die gegenseitigen Erwartungen und die Beziehung der Eltern eine Rolle spielen.

Aber die leicht verblüffte Feststellung, daß das Kinderkriegen bei Männlein und Weiblein in politischer Funktion unterschiedlich beurteilt, “mit zweierlei Maß gemessen”, wird, verblüfft mich etwas und zeigt mir, wie weit sich die feministische Mär von der völligen Austauschbarkeit der Geschlechter, die inzwischen auch noch die noch phantasievollere Idee hervorgebracht hat, daß man sein Geschlecht nach Belieben wechseln kann, in unserer Kultur durchgesetzt hat.

Letztlich hat aber noch immer die Biologie die Oberhand – und damit der Schöpfer, der die Dinge und auch die Menschen eben so geschaffen hat, als Mann und Frau, im Ebenbild Gottes.

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Modeverbrechen? Spinnt ihr?

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Nicht nur der “Shitstorm” im Gefolge des ORF-Interviews mit der Mode-Designerin Lena Hoschek ist für mich total überzogen und unverständlich, sondern auch die Fragestellung selbst; beide zeigen, daß wir in unserer Gesellschaft ein völlig verdrehtes Wertesystem haben.

ORF Online Chefredakteur Gerald Heidegger fragte Frau Hoschek nach “den größten Modeverbrechen im Sommer”. Gehts eigentlich noch? Mode und Verbrechen? Was man anzieht, wird gleichgestellt mit Raub und Mord? Und wie man den entsetzten Reaktionen, nicht auf diese dumme Fragestellung, sondern auf Hoscheks Antwort, entnehmen kann, haben allzu viele Menschen diese idiotische Gleichstellung total verinnerlicht.

Auch Frau Hoschek hat diese Gleichstellung verinnerlicht, denn sonst hätte sie diese idiotische Frage nicht unhinterfragt beantwortet. Aber ihre Antwort, daß das größte Modeverbrechen Radlerhosen sind, an Girls, die nicht “knackig genug” sind, kann man genausowenig mit Verbrechen gleichstellen, wie die depperte Frage: zumindest, wenn man einigermaßen mit Verstand gesegnet ist.

Selbstverständlich dürfen auch fülligere Personen, auch absolute Fettsäcke wie ich selbst, Radlerhosen und jedes andere Kleidungsstück tragen; wer sich darin wohl fühlt, wem egal, wie er oder sie in einem Kleidungsstück aussieht, soll anziehen was er oder sie will.

Und wer gewisse Kleidungsstücke an bestimmten Körperformen nicht mag, aus welchen Gründen auch immer, darf das selbstverständlich sagen.

Wer sich dann dadurch verletzt fühlt, sollte sich fragen, warum: Warum ist mir die Meinung einer goscherten Frau aus der österreichischen Provinz so wichtig, daß sie mich damit verletzen kann?

Auch Lena Hoscherts Stellungnahme zu dem Shitstorm, wo sie unter anderem sagt, daß sie ja nur ihre, nicht einmal ganz ernst gemeinte, Meinung geäußert hätte, kam nicht gut an, vor allem, weil sie sich darin nicht explizit für ihre Äußerung entschuldigt.

Das “Frauenportal” miss.at zitiert in seinem Bericht über den Vorfall einige Reaktionen auf sozialen Medien:

“Und wieder werden die Menschen, die sich verletzt fühlen, als Sensibelchen und ‘hab dich mal nicht so’ dargestellt. Bravo.”

Und? Ist ja auch so. Wer sich von der Meinungsäußerung einer wildfremden, auch noch so bekannten Person “verletzen” läßt, ist ein “Sensibelchen” und die Antwort “hab dich mal nicht so” mag zwar nicht sehr einfühlsam sein, ist aber durchaus angebracht. Die Meinung von Frau Hoschek (und allen anderen Designern und Influencern) ist völlig unwichtig und irrelevant, und wer das nicht versteht, gibt diesen Menschen selbst die Waffen in die Hand, um sie oder ihn zu verletzen.

Eine andere Instagram-Userin schreibt:

“Du sprichst Menschen mit vermeintlich unperfekter Haut nun mal ab, alles tragen zu dürfen. Das ist bodyshaming vom allerfeinsten und nö, nur, weil du selbst Mode machst, darfst du nicht mehr diskriminieren als Nicht-Modemacher.”

Liebe Leute, das ist nicht “diskriminieren”, das ist einfach freie Meinungsäußerung, und wenn sie nicht an einer spezifischen Person und deren Erscheinungsform festgemacht ist, ist es auch keine Beleidigung sondern lediglich eine Privatmeinung.

Und damit es ganz klar ist:

1. Auch dieser Artikel ist lediglich eine Meinungsäußerung; niemand ist gezwungen, meine Einschätzung dieser Dinge zu teilen; wer sich durch diesen Artikel beleidigt oder verletzt fühlt, sollte sich einfach eine dickere Haut zulegen, oder aufhören, im Internet zu surfen und anderer Leute Meinungen zu lesen.

2. Natürlich haben auch die Leute, die den Shitstorm veranlaßt haben, durchaus das Recht, ihre Meinung zu äußern, aber sie müssen dann auch damit leben, von Leuten wie mir kritisiert zu werden – genauso, wie ich damit leben muß, daß ich für diesen Artikel höchstwahrscheinlich verbale Prügel bekommen werde.

Trotz allem Gerede von “Safe Spaces” ist Freiheit von Kritik KEIN Menschenrecht, genauso wie trotz Abstimmung im EU-Parlament die uneingeschränkte Kindstötung bis zur Geburt kein Menschenrecht ist.

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Wem gebührt Respekt? Und wofür?

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In der vergangenen Woche sind auf nicht ganz legale und faire Weise private1 Textnachrichten zwischen dem suspendierten Sektionschef im Justizministerium, Christian Pilnacek, und dem Richter am Verfassungsgerichtshof, Wolfgang Brandstetter, an die Presse weitergegeben und in der Folge veröffentlicht worden. Diese Textnachrichten enthalten respektlose Äußerungen von Pilnacek, sowohl über einzelne Verfassungsrichter, als auch über die Institution als solche. Brandstetter selbst hat zwar keine solchen Äußerungen getätigt, sich aber  in seinen Antworten auf Pilnaceks Äußerungen auch nicht klar von ihnen distanziert; aufgrund des Drucks der Oppositionsparteien hat er inzwischen seinen Rückzug aus den VfGH mit Ende Juni angekündigt.

Pilnacek hat seine Äußerungen gestern als „unverzeihbar, nicht zu rechtfertigen und völlig unangemessen“ bezeichnet und sich dafür entschuldigt.

Diese Vorfälle haben mich zum Nachdenken über “Respekt” angeregt.

Ich bin davon überzeugt, daß jedem Menschen Respekt gebührt, weil er oder sie als Geschöpf im Ebenbild Gottes erschaffen wurde. Von vielen wurde beklagt, daß Pilnaceks Äußerungen Respekt von den Institutionen des Rechtsstaats  vermissen ließen, und vielleicht gebührt diesen Institution, sowie auch den Amtsträgern des Rechtsstaats als solchen, der Respekt der Staatsbürger und wahrscheinlich noch mehr der Beamten, die diesem Staat dienen.

Ich glaube jedoch nicht, daß jede Entscheidung oder Handlung, egal ob von einem einzelnen Menschen, von einem staatlichen Amtsträger oder von einer Institution wie dem Verfassungsgerichtshof, von mir als Staatsbürger respektiert werden muß. Klar muß ich mich im Normalfall daran halten bzw. die Folgen akzeptieren, wenn ich das nicht tue, aber respektieren?

Wenn der Verfassungsgerichtshof moralisch verwerfliche Entscheidungen trifft, wie jüngst im Fall Sterbehilfe, dann respektiere ich das nicht, dann respektiere ich weder den VfGH noch die einzelnen Richter, die so entschieden haben, für diese Entscheidung.

Wenn der Bundeskanzler die moralisch verwerfliche Entscheidung trifft, keine minderjährigen Flüchtlinge von den griechischen Inseln nach Österreich zu lassen, dann respektiere ich Sebastian Kurz als Mensch, der im Ebenbild Gottes geschaffen ist; ich respektiere das Amt des Bundeskanzlers an sich, aber für seine unbarmherzige Haltung gegenüber den Flüchtlingen und die daraus resultierenden Entscheidungen kann ich weder Sebastian Kurz als Person noch den Bundeskanzler der Republik Österreich respektieren. Bestenfalls nehme ich sie zur Kenntnis.

Wenn der amerikanische Präsident für das Recht eintritt, ungeborene Kinder umzubringen, dann respektiere ich Joe Biden als Mensch im Ebenbild Gottes, und ich respektiere grundsätzlich das Amt, das er ausübt, aber seine Unterstützung von Kindstötung und die Entscheidungen, die daraus resultieren, muß ich zwar zur Kenntnis nehmen, aber respektieren muß ich sie sicher nicht. Genausowenig muß ich ihn dafür respektieren, daß er sich zwar als Katholik bezeichnet, aber unmoralische Positionen einnimmt, die dieser Selbstbezeichnung widersprechen.

Das gilt übrigens nicht nur für Politiker und andere Prominente, sondern für uns alle: Wir alle können Respekt erwarten und verlangen als Geschöpfe im Ebenbild Gottes; Respekt für unsere Meinungen und Handlungen sind ein anderes Kapitel, und selbst in unserem liberalen Rechtsstaat steht uns dafür bestenfalls Toleranz zu, aber nicht Respekt – den müssen wir uns erst verdienen, und durch falsche Entscheidungen und verwerfliche Handlungen können wir ihn auch wieder verlieren.

  1. Das Handy wurde in einem Strafverfahren beschlagnahmt, und die Textnachrichten im Zuge des Ibiza-Ausschusses ans Parlament übergeben; diese Textnachrichten sind weder für das Strafverfahren noch für den Ibiza-Komplex relevant und waren als “vertraulich” eingestuft; die Weitergabe durch NEOS-Abgeordnete war daher höchst irregulär. Es handelte sich dabei um eine private Unterhaltung, bei der man eben nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage legt; die Veröffentlichung derselben und die daraus resultierende öffentliche Be- und Verurteilung von Pilnacek und Brandstetter ist daher eine Verletzung ihrere Privatspäre, für die den verantwortlichen NEOS-Abgeordneten kein Respekt gebührt, was immer für Rechtfertigungen sie jetzt anführen.
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Ist Österreichs Solidarität mit Israel verfassungswidrig?

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Nachdem vor zwei Tagen (Freitag, 14. Mai 2021) die österreichische Bundesregierung Solidarität mit Israel bekundet hat, indem am Bundeskanzleramt und am Außenministerium die israelische Fahne gehisst wurde, haben einige besonders kluge Zeitgenossen (auf Facebook, aber auch der blaune Parteivorsitzende Hofer) gemeint, diese österreichische Solidaritätsbekundung für Israel widerspräche der verfassungsgemäßen immerwährenden Neutralität Österreichs.
 
Aber die Neutralität ist in Österreich immer schon militärisch und nicht weltanschaulich verstanden worden: Die Verfassung selbst definiert Neutralität überhaupt nicht, während das Neutralitätsgesetz von 1955 (im Verfassungsrang) sie militärisch definiert – keine Bündniszugehörigkeit, keine fremden Stützpunkte (siehe angehängter Screenshot).
 
Bei den Verhandlungen zum Staatsvertrag, mit dem das Neutralitätsgesetz politisch zusammenhängt, haben Österreichs Verhandler in Moskau den Begriff Neutralität nach dem Muster der Schweiz benutzt, um klarzustellen, dass es sich dabei nicht um Gesinnungsneutralität  handeln könne – deshalb war Österreich, wenn auch nicht in der NATO, doch immer ein westliches Land, und kann heute nicht moralisch neutral sein gegenüber terroristischen Vereinigungen wie der Hamas.
 
Diese Hamas feuert seit Tagen ununterbrochen Raketen auf die israelische Zivilbevölkerung ab; und sie tut das von Stützpunkten und Abschußbasen aus, die eingebettet sind in zivile Wohngebiete, die sich unmittelbar neben Spitälern und Schulen befinden – damit die notwendigen und gerechtfertigten Gegenschläge Israels möglichst viele zivile Opfer, darunter auch Kinder, fordern.
 
Angesichts dieser Situation steht die symbolische Solidaritätsbekundung Österreichs gegenüber Israel durch das Hissen der israelischen Fahne, eindeutig nicht im Widerspruch zur Verfassung, und ist gerade in Bezug auf Österreichs Geschichte durchaus angebracht: Schließlich sollten wir nicht vergessen, daß “Heimat bist du großer Söhne” leider auch Typen wie AH und nicht wenige seiner Schergen umfaßt – “groß” natürlich im Sinne ihrer traurigen weltgeschichtlichen Bedeutung, nicht im Sinn von moralischer Größe.
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Die kulturell konservative Mehrheit stärken?

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Im Telegraph vom 13. Mai 2021 schreibt Allister Heath,

«Was ist los mit Frankreich, diesem wunderbaren Land, das von seinen Politikern unerbittlich im Stich gelassen wird? Es liegt ein unverkennbarer Geruch von Panik in der Pariser Luft, ein zunehmendes Gefühl in Teilen der herrschenden Klasse, daß Frankreich, auseinandergerissen von Kulturkriegen, mit seiner Wirtschaft und Gesellschaft in nicht enden wollendem Abstieg, mit seinen riesigen Wohnanlagen in den Vorstädten andauernd an Kippen, sich dem Abgrund nähert.

Trotz allem Hohn sind Boris Johnsons jüngste Wahlerfolge nicht unbemerkt geblieben. Was, so fragen sich die vorausschauenderen Intellektuellen, wird Frankreichs Gegenstück zum Brexit sein, wenn, oder vielmehr, sobald es dazu kommt? Wird es eine Wiederholung von 1961 sein (ein fehlgeschlagener Putsch), von 1968 (linksradikaler Studentenaufstand), 1981 (Kommunisten in der Regierung), 1789 (eine echte Revolution), oder, hoffentlich, etwas weniger Gewaltsames, Konstruktiveres?

Die gilets jaunes (Gelbwesten) vor zwei Jahren waren ein falscher Alarm, aber wie wird sich die Wut von la France profonde das nächste Mal manifestieren? Emmanuel Macron hat zugegeben, daß “Leave” eine Abstimmung über einen Frexit gewinnen würde – aber die will niemand riskieren. Es ist wirklich schade: Frankreich, das Land wo ich aufwuchs, braucht einen katharsischen “Reset” wie Brexit, ein politisches Erdbeben, das weder linksradikal noch rechtsradikal ist, welches aber endlich die kulturell konservative Mehrheit stärkt.»

Hier sind meine Gedanken dazu als Nicht-Experte:

Das Problem ist, daß sich selbst die gemäßigte Linke gegenüber den kulturell Konservativen, die sie als rechtsradikal wahrnehmen[1], zunehmend als überlegene Elite fühlt. Deshalb werden sie sich nicht leicht mit Veränderungen abfinden, welche diese “Deplorables” (“Bedauernswerten”), um mit Hillary Clinton zu sprechen, stärken. Das ist nicht nur ein französisches Problem; das trifft in der gesamten westlichen Welt zu.

Ich bin gespannt, wie die Dinge in Großbritannien weitergehen. So sehr ich den Brexit bedaure, scheint er dort genau so einen “Reset” ausgelöst oder zumindest begonnen. Aber während größere Länder wie Großbritannien, Frankreich, oder auch Deutschland sich einen Brexit, Frexit oder Dexit leisten können, ohne daß ihre Wirtschaft allzu viel Schaden nimmt, wäre es für die kleineren Länder, aber auch Italien oder Spanien, katastrophal, wenn sie die EU verlassen oder diese auseinanderbrechen würde – trotz aller Fehler und Schwächen der Union. Unter anderem würde das bedeuten, daß die Wirtschaft unserer Länder noch mehr von den USA und China dominiert würde, als das jetzt schon der Fall ist – es gäbe kein Gegengewicht mehr.

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  1. wenn es z.B. um Positionen wie die Realität und Unabänderlichkeit des biologischen Geschlechts, um die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau, den Schutz des ungeborenen Lebens, usw. geht[]
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Prinz William propagiert “Weißen Retter” ???

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In einem Leserbrief im profil 18/2021 schreibt Dr. Hannah Mumby, Biologin und Elefantenforscherin an der Universität Hong Kong,

“Prinz William war 2018 nach Tansania, Kenia und Namibia gereist, um sich über den Naturschutz zu informieren. Auf einer Konferenz präsentierte er ein Video über seine Reise in Tansania. Viele NGOs beklagten, das Video würde das Image des “weißen Retters” propagieren, weil nur ein afrikanischer Student vor der Kamera sprach, während der Rest der Interviewten aus internationalen Naturschützern bestand.”

Ich gehe mal davon aus, daß das Video, das Prinz William präsentierte, das reflektierte, was er bei seiner Tansania-Reise erlebte, mit wem er sprach, usw. Es dürfte ja niemanden zu sehr erstaunen, daß ein politisch bedeutender Prominenter wie er auf seiner Reise primär ausgewählten Persönlichkeiten begegnet, die vom Sicherheitspersonal (seinem eigenen und dem des Gastgeber-Landes) für harmlos und ungefährlich eingestuft werden. Daß sich unter diesen Leuten vor allem prominente Fachleute und Aktivisten finden, und daß daß diese aus verschiedenen Gründen vor allem Weiße sind, wundert mich überhaupt nicht.

Was mich zwar auch nicht wundert, weil das schon längere Zeit so geht, mich aber sehr wohl irritiert, ist die Tendenz von Aktivisten und Propagandisten (und diese Bezeichnungen sind gar nicht abwertend gemeint), alle Äußerungen von beliebigen Menschen, vor allem Prominenten, als Propaganda zu bewerten, bzw. sie auf ihren Propagandagehalt abzuklopfen.

Die meisten von uns, und ich gehe davon aus, daß das auch auf Prinz William zutrifft, sind nicht ständig im Propaganda-Modus, wenn wir uns zu irgendwas äußern; sehr oft berichten wir relativ wertfrei unsere Erlebnisse und Erfahrungen und kümmern uns keinen Deut darum, welche Propaganda-Überlegungen andere dazu anstellen könnten.

Und so gehe ich davon aus, daß Prinz William mit seinem Besuch in Afrika sein Interesse an Naturschutz ausdrücken und entsprechende Initiativen unterstützen wollte, und daß er aus genau dem gleichen Grund sein Video präsentiert hat, ohne sich allzusehr den Kopf darüber zu zerbrechen, mit wem aller er gesprochen hatte oder wen er dazu befragt hat. Ich bin ziemlich sicher, daß er keinerlei identitätspolitische Aussagen über die mit Naturschutz befaßten  Personen machen wollte, und wenn “viele NGOs” soetwas hineininterpretieren, dann gehen sie davon aus, daß alle anderen Menschen in den gleichen Kategorien und Denkmustern wie sie selbst denken — und das ist schlicht und ergreifend dumm.

Ah, und weil man das heutzutage scheinbar immer dazusagen muß: Wenn ich von Aktivisten und Propagandisten und Prominenten, usw., rede, dann sind sebstverständlich dort wo es Sinn macht, Personen beiderlei (biologischen) Geschlechts gemeint.

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