Ich glaube an die Vergebung der Sünden

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Diese Gedanken zum Thema Vergebung der Sünden von Fr. Kenneth Tanner, Pfarrer der anglikanischen Erlöserkirche in Rochester, Michigan, USA, wurden von Wolf Paul übersetzt und werden hier mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht.

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Auf diesem Felsen steht christliches Vertrauen. Der Satz hat mehr als eine Bedeutung. Erstens besagt er, daß Gott den Menschen vergibt, und zwar bedingungslos vergibt, noch bevor wir darum bitten oder Buße tun. Gott vergibt uns, während wir Gott schlagen, verspotten, ihn quälen und töten. Vergebung beginnt mit einem Gott, der vergibt.

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Das bedeutet auch, daß wir darauf vertrauen, daß Sünden vergeben — wirklich vergeben — werden können, weil Gott vergibt. Dieses Grundvertrauen widerspricht unserer heutigen Kultur. Wir beglückwünschen uns, daß wir Vergebung verweigern und an unseren Verletzungen festhalten können, auch nachdem andere „ihre Schulden bezahlt“ haben. Aber der Vergebung, die mit Gott beginnt, fehlt nichts, und sie vollbringt ihren heilsamen Zweck.

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Das bedeutet auch: Wenn wir unserem Feind, unserem Nächsten, unserem Ehepartner, Kind, oder Freund vergeben, indem wir an der vorauseilenden Vergebung Gottes für die Menschen teilnehmen, dann werden wir heil und wachsen in unserer Ähnlichkeit zu dem Gott, in dessen Ebenbild wir geschaffen sind. Die Vergebung, die mit Gott beginnt, macht die Menschheit gottähnlicher, wenn wir Gottes Vergebung üben. 

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Letztlich bedeutet das auch, daß wir darauf vertrauen, daß uns vergeben ist. Diese Realität ist vielleicht am schwierigsten anzunehmen: Daß Gott uns vergeben hat, bevor wir geboren wurden; daß es nichts gibt, was wir tun oder lassen können, das etwas an dieser Vergebung ändert. Die Vergebung, die mit Gott beginnt, endet mit unserer Annahme dieser Vergebung.

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Inzwischen ist vielleicht klar, daß wir an die Vergebung der Sünden glauben, weil der menschgewordene Gott vom Kreuz her sagt, „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Das ist auch der, der uns gelehrt hat zu beten, „Vergib uns unsere Schuld, wie wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.“ (Nicht, weil Gottes Vergebung der unseren folgt, oder erst dann geschieht, nachdem wir vergeben haben, sondern weil wir in Nachahmung des Vaters vergeben.)

Ich glaube an die Vergebung der Sünden. Das Kreuz ist es, wo Jesus auf dem Thron sitzt. Das Kreuz ist das „Jetzt“ des Gerichts dieser Welt, und das Urteil ist dem Sohn gegeben. Wenn Jesus nach seinem Tod seinen Jüngern erscheint, dann nicht dazu, elf Männern die Macht zu geben, eine Vergebung zu verwehren, die er am Kreuz freizügig allen Menschen anbietet.

Der auferstandene Christus bedeutet einfach, „Wenn ihr, meine Jünger, den Menschen nicht sagt, daß ICH ihnen vergeben habe, und wenn ihr ihnen nicht von Herzen vergebt, dann erkennen sie vielleicht gar nicht, daß ihnen bereits vergeben wurde.“

Ich sehe in Bezug auf Vergebung sehr viel Anspruchsdenken: daß wir Vergebung verwehren dürfen, beleidigt bleiben dürfen, selbst entscheiden dürfen, ob wir vergeben — oder eben nicht.

Nicht zu vergeben — und Vergebung ist ein Prozeß — schadet letztlich dem, der nicht vergibt. Dem, der schuldig geworden ist, bedeutet Vergebung meist gar nichts, solange er seine Schuld nicht erkennt und einsieht.

Ich weiß schon, daß manche Leiter das, was Christen in Bezug auf Vergebung glauben, ausgenützt haben, um mißbräuchliche Strukturen und Verhaltensweisen zu ermöglichen, und diejenigen zu manipulieren, denen sie eigentlich dienen sollten.

Aber daß etwas Gutes mißbraucht wird, ändert nichts daran, daß es gut ist; es macht es lediglich schwieriger, es zu praktizieren.

Mißbrauchende Leiter säen schreckliche Zerstörung, wenn sie das mißbrauchen, was Christen über Vergebung glauben; aber auch das muß vergeben werden: wir dürfen nicht zulassen, daß ihr Mißbrauch unser Vertrauen auslöscht.

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I believe in the forgiveness of sins

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These thoughts on Forgiveness, by Fr. Kenneth Tanner, pastor of Holy Redeemer Anglican Church in Rochester, Michigan, are published here with his permission.

I believe in the forgiveness of sins. This is a bedrock Christian trust. The sentence has more than one meaning. It first affirms that God forgives humanity and forgives humanity without conditions, before we ask or repent. God forgives as we beat, mock, torture, and kill God. Forgiveness begins with a God who forgives.

I believe in the forgiveness of sins. This also means we trust that sins can in fact be forgiven—really forgiven—because God forgives. This basic trust is now almost countercultural. We congratulate ourselves on withholding forgiveness, clinging to our injuries, even after persons have “paid their debt.” The forgiveness that begins with God lacks nothing and accomplishes its healing ends.

I believe in the forgiveness of sins. This also means we trust that when we forgive our enemy, our neighbor, our spouse, child, or friend, by participating in the a priori forgiveness of God for humanity, we are healed and grow in our likeness to God in whose image we are made. The forgiveness that begins with God divinizes humanity as we practice the pardon of God. 

I believe in the forgiveness of sins. This finally means we trust that we, too, are forgiven. This might be the hardest reality to accept: that we are forgiven by God before we were born; that there is nothing we can do or not do to change our pardon by God. The forgiveness that begins with God ends in our acceptance of forgiveness. 

I believe in the forgiveness of sins. It might by now be clear that we believe in the forgiveness of sins because the human God says from the cross “Father, forgive them, for they do not know what they are doing.”

This is also the one who taught us to pray, “Forgive us our debts as we forgive our debtors.” (Not that God’s forgiveness follows ours, or only arrives for us or others after we forgive, but that we also forgive in imitation of the Father.)

I believe in the forgiveness of sins. The cross is where Christ sits enthroned. The cross is the “now” of the world’s judgment and all judgment is given to the Son. Jesus Christ does not after his death appear to his disciples to give 11 men the power to withhold a forgiveness he freely extends to all at the cross.

The risen Christ simply means ‘if you my disciples do not tell them that *I* have forgiven them, and if you do not forgive them yourself from the heart, they may not realize they’re already forgiven.’

I see a lot of entitlement around forgiveness; that we are allowed to withhold forgiveness, remain offended, forgive if we want…or not.

Not forgiving—and forgiving is a process—only harms the one who does not forgive. It often means nothing to the offender until they are truly aware of their offense.

I get that some leaders have used what Christians trust about forgiveness to enable and sustain abusive behavior and structures, to manipulate those they are called to serve.

Abuse of something doesn’t negate its goodness but it can make its goodness difficult to practice.

Abusive leaders sow terrific destruction when they abuse what Christians trust about forgiveness but this must be forgiven, too, and we cannot let their abuse cancel what we trust.

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