Die Welt, Israel, und die Kirche

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CNN berichtet:

Jerusalem (CNN) Amnesty International ist die letzte in einer Reihe von Menschenrechtsorganisationen, die Israel wegen seiner Behandlung von Palästinensern der Apartheid beschuldigt, was eine zornige Reaktion von Seiten Israels hervorgerufen hat, in der dieser Bericht als anti-semitische verurteilt wird. …

Wie zwei vorhergegangene Berichte zum selben Thema — von der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem und der New Yerker Human Rights Watch (HRW) untersucht der Bericht von Amnesty die israelische Politik in den Palästinensergebieten, die seit 1967 von Israel besetzt sind, aber nie formell annektiert wurden, sowie in Israel selbst.[1]

Die israelische Regierung wirft Amnesty (und den anderen Menschenrechtsorganisationen) vor, mit zweierlei Maß zu messen und so die Existenz Israels als Heimatland des jüdischen Volkes zu unterminieren. Genau das mache den modernen Antisemitismus aus.

Definieren wir mal Begriffe. Palästinenser sind in diesem Zusammehang die arabischen Bewohner der besetzten Gebiete, die keine israelische Staatsbürgerschaft besitzen.  Warum besitzen sie keine Staatsbürgerschaft? Weil diese Gebiete lediglich von Israel besetzt, aber nicht annektiert sind; das heißt, sie sind völkerrechtlich nicht Teil von Israel.

Israel könnte diese Gebiet zwar annektieren, aber das scheitert an mindestens zwei Tatsachen:

  • Erstens würde das auf heftigen Widerstand aus allen möglichen Richtungen stoßen, inklusive Europas und der USA, vor allem aber natürlich sämtlicher arabischer und muslimischer Staaten.
  • Zweitens würde eine Annektierung die dort lebende Bevölkerung automatisch zu Staatsbürgern machen, was sowohl unter dem Gesichtspunkt von Israel als jüdischem Staat als auch wegen der ungebrochen feindseligen Haltung der palästinensischen Führung, welche sich seit jeher weigert, die legitime Existenz Israels anzuerkennen. 

Der Bericht von Amnesty merkt an, was wohl zutrifft, daß diese Palästinenser nicht die gleichen Rechte besitzen, und von den israelischen Behörden nicht gleich behandelt werden, wie Israelis, und kommt zu dem Schluß, “daß der israelische Staat Palästiner als eine minderwertige, nicht-jüdische rassische Gruppe betrachtet und behandelt.

In genau dieser Schlußfolgerung liegt der Antisemitismus begraben, denn die unterschiedliche Behandlung der palästinensischen Bevölkerung läßt sich nicht nur durch israelischen Rassismus erklären, sondern auch dadurch, daß die Palästinenser nicht nur durch ihre Führung, sondern auch durch das Verhalten weiter Teile der Bevölkerung ihre feindselige Haltung gegenüber dem israelischen Staat und seiner jüdischen Bevölkerung  zum Ausdruck bringen, und daher auch als Feinde behandelt werden.

Klar kommt es in der Beziehung zwischen Besatzern und Besetzten immer wieder auch von staatlicher Seite zu Übergriffen, und diese darf und soll man aufgreifen, thematisieren und auch kritisieren, aber diese Schlußfolgerung ignoriert den de-fakto Kriegszustand zwischen Israel und den Palästinensern und ist deshalb als antisemitisch zu beurteilen.

In unserer sekularisierten Welt, in der Gottes Verheißungen nicht ernst genommen werden, kann man jetzt auch lange darüber debattieren, wie legitim die Errichtung des Staates Israel als jüdisches Heimatland überhaupt war[2], aber gerade Europäer und Amerikaner, die entweder selbst schuldig am Holocaust beteiligt waren, oder viel zu lange untätig bei Hitler’s “Endlösung” zugesehen haben, und deren Regierungen dann sozusagen als “Wiedergutmachung” den modernen Staat Israel aus der Traufe gehoben haben, sind wirklich die allerletzten, welche jetzt die Existenz und Legitimität Israels in Frage stellen dürfen, entweder durch ihre Regierungen, oder durch ihre Non-Profit “Do Gooder” Organisationen.

Aber das Problem geht viel tiefer, und hat eine Parallele zu dem Widerstand, den neben Israel auch die christliche Kirche, in all ihren Traditionen,  in dieser Welt erfährt.

Auch der Kirche werden konkrete Verfehlungen vorgeworfen, und vieles davon zu Recht. Der sexuelle Mißbrauch durch Priester und Pastoren und andere kirchliche Mitarbeiter, die Ausgrenzung verschiedener Personengruppen im täglichen Leben, die Kreuzzüge, die Inquisition, und vieles mehr, kann man völlig berechtigterweise kritisieren.

Aber letztlich liegt dem zunehmenden Widerstand, den sowohl Israel und das jüdische Volk, als auch die Kirche und Menschen, die sich zu ihrem Glauben an Gott bekennen, in der Welt erleben, etwas anderes zugrunde: Die Ablehnung Gottes, und daher auch der Vorstellung, daß irgendjemand, sei es Israel oder die Kirche, “Volk Gottes” ist. Das ist natürlich auch bizarr: einerseits leugnet man die Existenz Gottes, andererseits wehrt man sich vehement dagegen, daß sich da ein paar Gruppen einbilden, von diesem nicht existierenden Gott auserwählt zu sein.

Das wird auch nicht besser werden: die christliche Eschatologie ist da ziemlich klar, die Geschichte wird ein Ende haben, und gegen dieses Ende zu wird es zu ziemlich blutiger Verfolgung sowohl Israels als auch der Kirche kommen. Aber der Sieg Gottes steht auch schon fest!

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  1. meine Übersetzung[]
  2. das Konzept eines Heimatlandes für ein Volk, welches dort dann privilegiert ist, widerspricht modernem, progressivem Empfinden und wird als dumpfer Nationalismus gesehen[]
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