Krankenhaus-Odyssee 2022

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Zuletzt aktualisiert: 2022-05-20 06:28:15

Am 26. April bin ich hier in das Landesklinikum Mistelbach gekommen, mit einem Wiederaufflammen meines Vorhofflimmerns.

2016 wurde ich das erste Mal damit diagnostiziert; es hat sich damals als extreme Kurzatmigkeit in Kombination mit massiven Ödemen (fast 40kg) manifestiert. Man hat mir etliche Medikamente verschrieben, die tatsächlich zu rapidem Gewichsverlust führten, und auch die Symptome des Vorhofflimmerns reduzierten.

Seit einiger Zeit geht mein Gewicht wieder nach oben, insbesondere auch wieder mit Flüssigkeitseinlagerungen, und zum Wochenende 23./24. April schien ich wieder am Start angelangt zu sein: extreme Kurzatmigkeit nach minimaler Anstrengung. Bis dahin hatte ich mich weitgehend selbst versorgt und war, zumindest innerhalb unserer vier Wände, mobil; plötzlich war es aus damit und ich schaffte es z.B. nicht mehr, zu duschen.

Als wir 2016 von Wien “heraus aufs Land” siedelten, blieben wir bei unserer Hausärztin; anfang April jedoch ging ihr Chef in Pension und schloß die Praxis. Wir hatten noch keinen neuen Hausarzt gefunden. Und so ging meine Frau am Dienstag vormittag ins Dorf zum hiesigen Gemeindearzt mit einer Schilderung meiner Situation und der Frage, ob er mich (a) als Patienten annehmen und (b) einen Hausbesuch machen würde. Der hat nicht lange gefackelt, und hat mich aufgrund der Beschreibung meines Zustands durch meine Frau ins hiesige Krankengaus überwiesen und auch sofort die Abholung durch den Krankentransport veranlaßt.

Hier im Spital hat die Blutuntersuchung auf einen massiven Entzündungsherd irgendwo in meinem Körper hingewiesen; dieser wurde schnell in einer Phlegmone innen an meinem rechten Oberschenkel lokalisiert; eine Hautreizung ursprünglich verursacht durch Haut-an-Haut Reibung. Die Untersuchung zeigte auch, daß mein Blutdruck extrem niedrig war.

Zwei Einschnitte in die Phlegmone förderten nur Blut zutage, also wurde sie zunächst in Ruhe gelassen.

Es wurde sofort mit der Infektionsbekämpfung begonnen, durch eine Antibiotika-Infusion und Flüssigkeitszuführung (ich schätze ca.  10l in den ersten fünf Tagen), sowie mit der Stabilisierung meines Blutdrucks.

Am Samstag (30. April) haben wir den Punkt erreicht, wo die Entzündung weitgehend unter Kontrolle ist, und die Flüssigkeit langsam wieder entzogen wird. Gleichzeitig wird weiterhin mein Blutdruck unterstützt. Dafür bleibe ich zunächst auf der Überwachungsstation.

Hier bin ich massiv verdrahtet bzw mit Schläuchen versehen:

  • Ein Katheter für den Harn, samt Sensor und Kabel für die Temoeraturmessung;
  • Ein Arterienzugang, über den ständig der Blutdruck überwacht wird und der auch zur Blutabnahme dient;
  • Ein Pulsoxymeter-Fingerhut, wodurch die Sauerstoffsättigung des Blutes überwacht wird;
  • Fünf Kabel an Aufklebern auf meinem Brustkorb, die EKG-Daten liefern;
  • Ein Venenkatheter in meinem Hals, für Infusionen und zur Blutentnahme;
  • Ein Schlauch mit “Nasenbrille” zur Sauerstoffversorgung (dzt 2l/Std.).

All diese Kabel und Schläuche sind sehr hinderlich beim Tippen auf dem Smartphone, aber auch z. B. beim Versuch, selbständig aufzusitzen, weil immer irgendwas hängen bleibt. Aufsitzen wird auch dadurch erschwert, daß mein Bauch nach all diesen Flüssigkeitszugaben so angeschwollen ist, daß er beim Sitzen nicht mehr zwischen den Oberschenkeln runterhängen kann, sondern oben drauf liegt; wo er aber beim Sitzen im Weg ist.

Vor ein paar Tagen habe ich zu meiner Frau gesagt, daß man hier sehr gut (a) Geduld lernen kann, weil man fast nichts für sich selbst tun kann, aber auch (b) Demut bzw Ergebenheit, weil man jedes Schamgefühl aufgeben muß, wenn man nackt in einem Bett liegt, umgeben von einem halben Dutzend Menschen beiderlei Geschlechts, die einem an all die Stellen fassen, die man normalerweise verbirgt.

Nachdem es am Freitag zu Eiteraustritt an der Phlegmone kam, wurde diese aufgeschnitten und ausgespült, sowie als phlegmonöses Erysipel identifiziert;  dadurch verzögerte sich meine Verlegung auf die Normalstation.

Diese fand schließlich am Montag statt.

Der Arterien-Zugang ist weg und hat einen hübschen Bluterguß am Handgelenk hinterlassen; die Temperatursonde im Harnkatheter ist abgeklemmt; der EKG-Monitor hängt nur mehr an drei Drähten. Stattdessen wird mehrmals täglich kontaktlos oder unter der Achsel Fieber gemessen, dreimal täglich mit Aufblasmanschette Blutdruck gemessen, zwei mal täglich Blutzucker gemessen, usw.

Es wird weiter Antibiotikum verabreicht, Flüssigkeit entzogen, und an der Anpassung meiner Medikamente gearbeitet: Betablocker für das Vorhofflimmern, Diuretikum zur Vermeidung von Flüssigkeitseinlagerungen, sowie ein Blutverdünnungsmittel zur Thrombose-Vermeidung.

Ich bekomme jetzt auch Insulin; es ist noch nicht klar, ob meine Blutzuckerwerte eine Nebenwirkung der Entzündungsbekämpfung sind, die von selbst wieder runtergehen werden, oder ob es tatsächlich Diabetes ist.

Gestern sagte der Arzt bei der Visite, daß ich voraussichtlich noch eine Woche hier bleiben müßte; wenn es gelingt, in diesem Zeitraum den Großteil der Flüssigkeitseinlagerungen abzubauen, wäre mir das sehr recht.

Update Freitag, 6. Mai morgens:

Nachdem mir meine liebe Frau gestern den zweiten meiner Spezialpolster gebracht hat, und ich auch keinen piepsenden Monitor neben dem Bett stehen habe, bin ich heute wesentlich ausgeruhter aufgewacht.

Erste Dinge wie Harnbeutel entleeren, Fiebermessen, neue Infusion anhängen, sind erledigt, jetzt warte ich aufs Frühstück.

Update 7. Mai nachmittags

An diesem Nachmittag kamen ein Chirurg, zwei Pfleger, und eine Krankenschwester, um die Rotlauf-Wunde oben an meinem Oberschenkel gründlich auszuräumen. Aus Neugier, weil ich ja keine Ahnung hatte, wie es da unten aussah, reichte ich einem der Pfleger mein Smartphone mit der Bitte, mir ein Photo der Wunde zu machen. Ich werde das Photo hier nicht hochladen, aber es handelt sich um eine etwa 4cm lange und 2cm breite “Höhle”, wie tief kann ich nicht wirklich sehen, aber ich schätze ebenfalls 2cm. Um die Heilung zu unterstützen, indem die Wunde trocken gehalten wird, wurde ein Silberoxid-beschichteter Schwamm eingelegt, mit einem Schlauch zu einer Vakuumpumpe, die alle Wundsekrete absaugt.

Das klingt alles abschreckender, als es ist; tatsächlich spüre ich den Schwamm weniger, als die vorherigen Verbandsmaßnahmen.

Am Montag (9. Mai) hat der Physiotherapeut mich wieder aufsetzen lassen; auch dabei war der neue Verband weniger im Weg aks der alte; möglicherweise hat das auch damit zu tun, daß ich bereits eine große Menge des überschüssigen Wassers in meinem Gewebe los geworden bin. Ich sollte etwa eine Stunde sitzen; allerdings spielte mein Blutdruck nicht mit und mir wurde nach ca einer halben Stunde so schwindlig, daß ich mich wieder hinlegen mußte.

Ich habe den Arzt gefragt, wie lange meine “Höhle” brauchen würde, um zu verheilen; die Antwort war “Wochen”, und sehr wahrscheinlich werde ich diese Zeit hier im Krankenhaus verbringen. 

Wir werden sehen.

Update 14. Mai

Ich habe jetzt meine definite Diagnose “Diabetes Type 2” bekommen, und wurde von einer Diätologin besucht, um meinen weiteren Speiseplan hier im Krankeñhaus zu besprechen. Ich habe ihr meine wesentlichen Beschwerden mitgeteilt, und bereits die nächste Mahlzeit war viel genießbarer.

Meine Wunde heilt weiterhin zufriedenstellend, aber ich merke, daß es noch länger dauern wird.

Update Freitag, 20. Mai

Gestern habe ich erfahren, daß ich heute aus dem Krankenhaus entlassen werde. Nachdem meine Frau gestern bis am Nachmittag in Wien unterwegs war, konnten wir erst am Abend mit Vorbereitungen zu Hause beginnen.

Näheres gibt es, sobald ich zu Hause angekommen bin, aber ganz wichtig: besucht mich nicht mehr im Krankenhaus, sondern zu Hause, nach vorherigem Anruf unter +43-699-1715-0995.

 

Fortsetzung folgt.

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