Nochmals: Um Probleme zu lösen, muß man sie benennen

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Ich komme, nach dem offenbar islamistischen Attentat in Wien, auf zwei Beiträge zurück, die ich in den letzten Tagen, nach den Anschlägen in Frankreich, gepostet habe: der Artikel in der NZZ, der das sonderbare Zögern von katholischen und evangelischen Bischöfen thematisiert, im Zusammenhang mit diesen Verbrechen das Wort “Islam” in den Mund zu nehmen,

sowie die klare Feststellung des Wiener katholischen Dogmatikprofessors Jan-Heiner Tück, daß, um ein Problem lösen zu können, man es benennen muß.

Gestern gab es von allen möglichen Seiten Stellungnahmen zu dem Attentat von Montag abend, und ich möchte drei herausgreifen, von österreichischen Kirchenführern und christlichen Leitern, die ich entweder persönlich oder sonst ziemlich gut kenne, und die ich alle drei sehr schätze und respektiere:

  • jene des Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn,
  • des Vorsitzenden der Freikirchen in Österreich, Reinhard Kummer,
  • sowie des Initiators der Internet-Plattform “Glaubensimpulse”, Sven Kühne.

Alle drei haben in ersten Stellungnahmen (z.B. auf Facebook) zu dem Attentat von Montag abend den Islam oder Islamismus mit keinem Wort erwähnt, und fallen damit in genau jenes Muster, das der NZZ-Artikel thematisiert, wenn sie auch bei weitem nicht so problematisch sind, wie manche Zitate von deutschen Bischöfen zu Nizza.

Lange Zeit haben die politischen Mainstream-Parteien ebenfalls dieses “Spiel” gespielt, den Islam bei solchen Attentaten möglichst nicht zu nennen, wahrscheinlich aus dem wohlgemeinten Impuls heraus, einer generellen Islamophobie sowie Racheakten gegenüber unbeteiligten Muslimen in unseren Ländern keinen Vorschub zu leisten, aber die Politiker haben, wie die NZZ ebenfalls hervorhebt, inzwischen ihre Lektionen gelernt:

  • Die Weigerung, die Ideologie zu benennen, die diesen Anschlägen zugrunde liegt, schürt letztlich die Ressentiments derer, die ohnehin fremdenfeindlich eingestellt sind und vermittelt ihnen den Eindruck, von ihrer Regierung im Stich gelassen zu werden. Das führt dazu, daß offen ausländerfeindliche Gruppen wie AfD und FPÖ noch mehr Zulauf bekommen; und
  • Wie Professor Tück sagt, wenn wir das Problem nicht benennen und darüber reden, werden wir es auch nicht lösen.

Wenn Kirchenführer zu solchen Verbrechen lediglich allgemein gehaltene schöne Worte von Frieden und Vergebung einfallen, in denen die zugrundeliegende Ideologie nicht erwähnt wird, erwecken sie den Eindruck, unbedarft und irrelevant zu sein.

Ich möchte daher alle, die zu diesen Verbrechen Stellung beziehen, gerade auch aus den Kirchen und christlichen Organisationen, dringend ermutigen, bei solchen Anlässen ganz klare Worte zu finden, in denen auch anerkannt wird, wovor sich viele Menschen in unseren Ländern zu Recht fürchten. Natürlich soll man auch darauf hinweisen, daß persönliche Racheakte an unbeteiligten Muslimen fehl am Platz und nicht zielführend sind — aber auch die Ideologie, die solche Taten motiviert, muß benannt werden.

Gleichzeitig rufe ich auch die Medien auf, sich nicht zu scheuen, Muslime als solche zu benennen, gerade dort, wo nicht die Rede von Terroristen ist:

Die drei jungen Männer, die am Montag abend den verletzten Polizisten aus der Schußlinie gezogen, erstversorgt, und dann in den Rettungswagen getragen haben, werden in den Medien als Menschen “mit Migrationshintergrund” beschrieben. Auch hier wäre es viel besser, hervorzuheben, daß es sich um Muslime bzw. Menschen mit muslimischem Hintergrund handelt — weil das klar macht, daß es auch unter Muslimen Menschen guten Willens gibt, und die Mehrheit eben nicht Terroristen und Gewalttäter sind.

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